Veröffentlich in den Insights
25.01.2019 12:00

Produktiv, gesund und glücklich: Angestellte verdienen mehr

Arbeitsplatz Kultur und Mitarbeiterbindung

Wieso manche Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber lange treu bleiben und andere es gar nicht erwarten können, das Unternehmen zu wechseln, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Was den perfekten Job betrifft hat jeder seine ganz individuellen Präferenzen. Einige Faktoren, die für glückliche und produktive Mitarbeiter sorgen, kann man aber festhalten.

Motivation: Verantwortung bedeutet Freiheiten gewähren…

...und das erfordert echtes Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter. “Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss” sagt der Volksmund. Ein hervorragendes Pferd springt aber gerne mal höher und irgendwann erkennt der Reiter das Potenzial, legt die Latte etwas höher – und gewinnt.

Diese Metapher beschreibt vorherrschende Zustände in vielen Büros. Vorgaben werden erfüllt, um sie zu erfüllen. Wenn man Ihnen eine Aufgabe gibt, die zwar Teil eines größeren Ganzen ist, dieses mangels offener Kommunikation für Sie aber überhaupt nicht transparent ist, dann werden Sie zwar die Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen, aber meist eben nicht mehr als das. Denn Ihr persönlicher Bezug zur Aufgabe ist begrenzt, das Ergebnis wird Sie nicht unmittelbar tangieren und wenn es zutage tritt, werden Ihre Beiträge dazu unsichtbar geworden sein. Vielleicht fällt als Ansporn eine Bonuszahlung an, das wäre noch eine positive extrinsische Motivation – die negative wäre die Abmahnung bei Nichterfüllen der Aufgabe.

Deutlich fördernder ist aber intrinsische Motivation, bei der einer Aufgabe nachgegangen wird, weil dies in der Person positive Emotionen hervorruft. Während sich viele Menschen auch zu guter Arbeit zwingen lassen, treten die vollen Fähigkeiten dann hervor, wenn wir mit großer Eigenverantwortung arbeiten und uns für eine Aufgabe verbürgen (müssen). Mitarbeiter, die mitentscheiden und gestalten dürfen, werden sich wertgeschätzt fühlen, mehr Stolz empfinden und eine emotionale Bindung mit dem Unternehmen aufbauen. Dieser Typ Mitarbeiter, der selbständig gut performed, ist der, den sie halten wollen. Sture Aufgabenerfüller hingegen sind ersetzbar. 

In Zeiten, in denen individuelle Verwirklichung den Menschen immer wichtiger wird, treten Faktoren wie sicheres Gehalt und andere Benefits gegenüber einer erfüllenden, sinnstiftenden Aufgabe und Möglichkeiten, auf verschiedenen Ebenen mitzugestalten, eher in den Hintergrund. Statt vertikal können Sie Ihre Mitarbeiter sich auch horizontal weiterentwickeln lassen. Etwa durch die Übernahme von Coachings jüngerer Kollegen, Organisation von Feedback- und Teamformaten und vielem mehr, das gleichzeitig auch das Klima in ihren Teams verbessern kann.

Burnout: Stimmung ist wichtiger als Workload

Vertrauen und Verantwortung fördern nicht nur Motivation, sie sind auch tragende Säulen eines positiven Arbeitsklimas und damit die halbe Miete für die mentale Gesundheit der Mitarbeiter. Wichtige Faktoren zur Prävention von Burnout sind neben einer ausgeglichenen Balance zwischen Privat- und Arbeitsleben nicht nur Faktoren wie genügend Bewegung, eine gesunde Ernährung und soziale Kontakte, die Unternehmenskultur spielt auch eine große Rolle.

Enorm stressige Jobs, in denen zudem ein aggressives, unehrliches und neidvolles Klima herrscht, machen alle privaten Versuche, mental gesund zu bleiben, zunichte. Burnout ist kein persönliches, es ist ein Arbeitsplatzproblem. Und nicht die Zahl der Arbeitsstunden ist ausschlaggebend, sondern die Qualität des sozialen Erlebnisses auf der Arbeit.

Das Phänomen ist gut erforscht und “Studien [haben] gezeigt, dass Verachtung das Immunsystem bei demjenigen senkt, dem diese Verachtung entgegen gebracht wird. Verachtung schwächt also nicht nur die Beziehung, sondern macht auch noch krank.”

Ob es zu solch gewaltvoller Kommunikation kommt, liegt auch in der Verantwortung der Vorgesetzten. Nur sie können eine wertschätzende Arbeitskultur, unter anderem durch flache Hierarchien, Transparenz, umfassende Teilhabe an strategischen Themen und motivierende Ziele schaffen. Und wer sich am Arbeitsplatz richtig wohl fühlt, etwas vorantreiben kann und gehört wird, der bleibt auch deutlich lieber, wenn es in einem anderen Bereich mal schlecht läuft und wird nicht um jeden Preis versuchen, andere auszubooten.

Flexibilität a.k.a. Work-Life-Balance

Immer wichtiger wird die Möglichkeit, Familie und Privatleben mit dem Job unter einen Hut bringen zu können. Home Office, flexible Arbeitszeiten und asynchrone Kommunikation statt ständiger Erreichbarkeit bieten Arbeitnehmern hier große Vorteile und schaden nicht der Produktivität – im Gegenteil. Wer selbstbestimmter arbeiten kann und dabei motiviert ist, arbeitet deutlich effizienter und kann in weniger Zeit mehr schaffen.

Sich in einem fixen Zeitfenster neun Stunden lang im Büro eingesperrt zu fühlen, keine Möglichkeit zu haben, die eigenen als produktiv empfundenen Stunden zu nutzen –  das erstickt Kreativität und Motivation. Ohnehin sollten wir die Zeit, die Bürokräfte in der Lage sind, produktiv zu arbeiten, nicht überschätzen. Acht Stunden konzentrierte Denkarbeit, Tag für Tag, Woche für Woche, sind schlicht utopisch und die traurige Realität ist, dass eine strikte Nine-to-Five Regel im Mittel zu nicht einmal drei produktiven Arbeitsstunden führt.

Es herrscht leider häufig Kontrollwahn bei Arbeitszeiten vor sinnvoller Überprüfung von Arbeitsergebnissen in Wochen-, Monats-, oder -Sprintzielen. Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter arbeiten lassen, wann und wo sie es am besten können, haben zufriedene, treue Angestellte, die darüber hinaus noch bessere Ergebnisse liefern. Auch wenn sie daran manchmal nur 6 Stunden täglich arbeiten.

Vielleicht kennen Sie es ja von sich selber: An irgendeinem Punkt im Arbeitstag ist der Ofen aus, die Konzentration ist weg. Bis zum Feierabend sind es aber noch drei Stunden. In dieser Zeit schaffen Sie fast nichts mehr. Gingen Sie stattdessen jetzt nach Hause und erledigten Dinge, die sie sonst in den Feierabend quetschen – sie wären am Abend geistig wieder so fit, dass sie in einer einzigen Stunde deutlich mehr fertig brächten, als in den drei, die sie sonst im Büro herumhängen. Und am nächsten Tag zudem entspannter.

Diese Freiheit wird in immer mehr Branchen zur Selbstverständlichkeit und von Mitarbeitern als der wichtigste Faktor bei der Jobwahl betrachtet. Nicht selten sogar als Voraussetzung.

Sie glauben das alles nicht? Dann schauen wir doch mal…

Der Global Talent Monitor Studie des Analysehauses CEB zufolge sind dies die wichtigsten Faktoren für die Attraktivität eines Unternehmens für seine Mitarbeiter:

  • Rang 1: Work-Life-Balance (54 Prozent)
  • Rang 2: Ein passender Standort (46 Prozent)
  • Rang 3: Respektvoller Umgang miteinander im Unternehmen (33 Prozent)
  • Rang 4: Stabilität rund um den Arbeitsplatz (32 Prozent)
  • Rang 5: Urlaubsanspruch (27 Prozent)
  • Rang 6: Gehalt (21 Prozent)
  • Rang 7: Zukünftige Karrierechancen (21 Prozent)
  • Rang 8: Anerkennung (19 Prozent)
  • Rang 9: Ruhestandsleistungen (18 Prozent)
  • Rang 10: Entwicklungsmöglichkeit (15 Prozent)

Eine gute Liste, um Ihr Unternehmen einmal zu hinterfragen – egal ob Sie Vorgesetzter oder Angestellter sind. Denken Sie einmal darüber nach, was in Ihrem Unternehmen aktiv verändert werden kann, um attraktiver zu sein.