Veröffentlich in den Insights
22.02.2019 14:00

Blockchain nach dem Hype

Blockchain 2019 - Nach dem Hype
In diesem Jahr stellen wir beim Blick auf unsere Social Media und Nachrichten Feeds fest: Die vor einem Jahr noch allgegenwärtigen Neuigkeiten zur “Blockchainrevolution” tauchen immer seltener auf. Ein Jahr nach dem Höhepunkt der Aufmerksamkeit, dem ein brutaler Einbruch fast aller Kryptowährungen folgte, sind wir auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Doch was heißt das für das Versprechen vieler Experten, dass Blockchains nicht nur die Finanzwelt, sondern gleich unsere Gesellschaft grundlegend verändern werden?

Die versprochene Revolution bleibt vorerst aus. Nach dem Hype-Jahr 2017 und der Ernüchterung 2018 sind wir gespannt, wie sich Unternehmen im laufenden Jahr mit der Blockchaintechnologie auseinandersetzen. Reine Spekulation statt wirklicher Nutzungsabsicht blies die Werte vieler Kryptowährungen auf und ließ die Blase schlussendlich zerplatzen. Natürlich bleibt das grundlegende Potenzial der Technologie bestehen, teure und umständliche Prozesse einfacher, sicherer und günstiger abzubilden. Und tatsächlich arbeiteten 2018 immer mehr Unternehmen weltweit an und mit der Technologie. So stieg in den USA die Nachfrage nach Experten für Jobs im Blockchain-Bereich um 300%. Ein Beweis, dass trotz des abschwellenden Mainstream Hypes die viel wichtigere Forschung von Unternehmen am Thema stark zunimmt.

Während es erfreulich ist, dass das aufrichtige Interesse an der Distributed Ledger Technologie zunimmt, gibt es auch Probleme: Viele Unternehmen erschaffen ihre eigenen, privaten Blockchains. Das ist in manchen Anwendungsfällen zweifelsfrei sinnvoll, erschafft aber langfristig wieder separierte Datensilos, statt ein großes und transparentes Netzwerk zu kreieren. Daher sollte genau abgewägt werden, ob man auf allen Ebenen eines Geschäftsmodells von einer Blockchain-Lösung profitieren kann und nicht auf Biegen und Brechen etwas mit Blockchain realisieren wollen.

Zu wenige derer, die entscheiden ob Prozesse per Blockchain abgebildet werden sollen, haben ein vollumfängliches Verständnis der Technologie und der Konsequenzen ihrer Implementierung im eigenen Unternehmen – und damit dem schlussendlichen Nutzen. Der Blockchain-Experte William Mougayar, Autor von The Business Blockchain, schätzt, dass nur ca. 20% des Aufwands bei der Implementierung von Blockchain Lösungen auf die technische Umsetzung entfallen, während 80% der Arbeit die Anpassung der Geschäftsprozesse betrifft – und damit auch die Arbeit vieler Mitarbeiter. Jeder will früh dabei sein, innovativ erscheinen und neue Marktpotenziale erschließen, doch es sind Geduld, Planung und Vorsicht geboten.

Raus aus den Kinderschuhen: Hürden besonnen lösen

Es gibt verschiedene inhärente Herausforderungen, die auch neuere Generationen von Blockchains nicht vollständig ausmerzen können und die Entwicklungen auf einer Blockchain einfach schwierig machen. Je nach Anwendungsfall sind das unter anderem die Skalierbarkeit und Geschwindigkeit, (lokale) Datenschutzrichtlinien oder die Schwierigkeit von Blockchains mit Systemen außerhalb zu kommunizieren – auch wenn es in dieser Hinsicht mit dem Interledger Protokoll schon einen praktikablen Lösungsansatz gibt.

Noch sehen wir wenige Lösungen live und es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Entwicklungen noch in den Kinderschuhen steckt. Wie sie voranschreiten, wie viele im Laufe dieses Jahres Marktreife erlangen –  all das ist schwierig vorherzusagen. Was wir aber wissen ist, dass zahlreiche Unternehmen den Launch ihrer Blockchain Projekte angekündigt haben. Kooperationen wie die der Ölfirmen BP und Shell mit verschiedenen Finanzinstituten für den Handel mit Energierohstoffen oder die noch frische Neuigkeit, dass die größte US-Bank, JP Morgan, mit der Einführung des “JPM Coin” nun auch eine eigene Kryptowährung herausgebracht hat, verdeutlichen, dass nicht nur geredet wurde. Der JPM Coin soll übrigens einen (zunächst sehr kleinen) Teil der Abwicklung von täglich rund $6 Billionen an Geschäftskunde-Zahlungen von JP Morgan deutlich beschleunigen.

2019 wird beim Thema Blockchain wohl weniger mit großen Schlagzeilen oder wahnwitzigen Prognosen aufgetrumpft, als mit langsam in die Märkte gelangenden, echten Lösungen. Weniger Lärm, mehr Nutzen. Das wäre doch eine schöne Entwicklung.