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Veröffentlich in den Insights
19.01.2018 16:00

Kryptowährungen Teil 2 – Altcoins weit besser als Bitcoin?

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Den Hype um Kryptowährungen haben wir in der letzten Woche im ersten Teil dieses Zweiteilers diskutiert. Jenseits von Bitcoin und Ethereum gibt es eine große Community von Menschen, die an verschiedensten Lösungen mithilfe von Distributed Ledger Protokollen (dem Überbegriff für Blockchains), feilen. Daraus sind vielversprechende und spannende Plattformen entstanden, die weit mehr sind als bloße Investitions-Spielplätze. Welche Kryptowährungen bereits genutzt werden und welche Technologien besonderes Potenzial besitzen, lesen Sie hier.

Die zweckgerechte Nutzung von Bitcoin als schnelle und kostengünstige Währung wird aktuell durch astronomische Gebühren behindert. Die Zeit die es braucht, bis Transaktionen final gebucht sind (Block Time) klingt zwar mit zehn Minuten vergleichsweise schnell, entspricht aber nicht gerade der Definition von Instant Payments. Und diese sind bereits seit November 2017 selbst mit SEPA-Überweisungen machbar, wenn auch noch nicht flächendeckend verfügbar. Andere Blockchains der zweiten und dritten Generation sind hier deutlich weiter und erlauben teilweise nicht nur Zahlungen in Echtzeit, sondern haben auch deutlich größeres Skalierungspotential und lassen sich nicht, wie Bitcoin, durch starke Nutzung einschränken.

Drei interessante Kryptowährungen, ihre zugrundeliegenden Technologien und ihre Anwendungszwecke wollen wir Ihnen heute vorstellen.

Ripple

mit Mastercard und American Express

Ripple ist lange kein Unbekannter mehr. Die Technologie existiert bereits seit 2012 und die Zahlen klingen, verglichen mit Bitcoin, beeindrucken: Innerhalb von 4 Sekunden werden Zahlungen in der eigenen Währung XRP gebucht und Ripple verarbeitet rund 1,500 Transaktionen pro Sekunde (mit der Option auf bis zu 50,000 Transaktionen pro Sekunde). Dazu wird kein energieaufwendiger Proof of Work Algorithmus verwendet, sondern der Konsens-Algorithmus Proof of Correctness, der keinen nennenswerten Energieverbrauch verursacht. Unterschieden werden muss bei Ripple aber zwischen der Währung XRP und dem Transaktionsprotokoll RTXP, welches seinerseits jede Währung und Vermögensobjekt unterstützt. Hier ist die Funktionsweise anschaulich erklärt.

Ripple kann also nicht nur XRP verarbeiten, sondern alle Krypto- und Fiatwährungen (z.B. Euro oder Dollar) und löst damit ein großes Problem: Wer nämlich über die Bitcoin Blockchain einen Betrag X einer Fiat-Währung an jemanden überweisen möchte, muss dazu erst von dieser Währung in BTC tauschen, diese senden und der Empfänger muss diesen Schritt umgekehrt ebenfalls vornehmen. Aufgrund der Preisschwankungen und relativ langsamen Bitcoin Blockchain können aus 100€ beim Empfänger schnell 90€ oder auch 110€ werden, zumal dieser eventuell nicht sofort die Möglichkeit hat, sofort aktiv zu werden. Für Privatpersonen ist das störend, für Unternehmen ein absolutes Ausschlusskriterium.

Rein technisch ist Ripple also vielversprechend aufgestellt. Aktuell arbeiten sowohl Mastercard als auch American Express sowie eine Vielzahl an Banken weltweit mit Ripple beziehungsweise experimentieren mit dem RTXP Protokoll. 2018 sollen deutlich mehr Transaktionen über Ripple abgewickelt werden. Dadurch könnten Auslandsüberweisungen in Echtzeit bald im Mainstream ankommen. 

IOTA

mit Bosch, Deutsche Telekom und Accenture

Aber nicht nur Menschen verschieben Werte, sondern vermehrt auch vernetzte Geräte. Im wachsenden Internet der Dinge, das potenziell große Werte schöpft, bedarf es deshalb einer Möglichkeit, die reibungslose Zahlungen zwischen Geräten zu ermöglichen. Hier möchte IOTA anknüpfen und zum Rückgrat des Internet der Dinge werden.

Was faszinierend klingt, ist relativ simpel erklärt: Vernetzte Geräte, wie autonom fahrende Autos, die beispielsweise als Taxi fungieren, verwalten sich und ihre Erträge selber, handeln die Kundendaten dabei schnell und sicher über IOTA. Auch große Unternehmen, die große Datenmengen sammeln und diese in Einklang mit strenger Regulatorik in Echtzeit verteilen wollen, könnten IOTA nutzen. Zudem gibt es eine Vielfalt an bereits vorhandenen Sensoren in unserem Alltag. Daten sind das neue Öl, sie aus ihren Silos herauszubekommen, nutzbar zu machen und dabei Sicherheit zu gewährleisten ist eine der größten Aufgaben der Zukunft, die mit IOTA vermeintlich gut lösbar wird.

Doch wieso gerade IOTA und nicht etwa eine beliebige andere Blockchain?

Weil IOTA grenzenlos skalierbar und komplett gebührenfrei funktioniert. Es gibt kein Mining, keine Blocks und somit keine Gebühren. Nutzer (und Geräte) validieren zwei Transaktionen, um selber eine ausführen zu können. Bei IOTA handelt es sich zwar ebenfalls um ein Peer-to-Peer Netzwerk, aber nicht um eine Blockchain, sondern um das sogenannte Tangle – einen gerichteten azyklischen Graphen (DAG, Directed Acyclic Graph). Wie dieses Wortmonstrum funktioniert, ist hier schön skizziert. IOTA ist also perfekt für massenhafte (Mikro-) Zahlungen zwischen Geräten geeignet und für das Internet der Dinge mit seinen Datenmassen gerüstet – wenn dies denn wirklich so kommt, wie es sich viele ausmalen.

Seitens IOTA wurde kürzlich ein Marktplatz für Daten angekündigt, auf dem Bosch, Fujitsu und über 20 weitere Unternehmen aktiv sein wollen. Der Marktplatz soll die Demokratisierung von Daten und dadurch auch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz beschleunigen und verbessern.

IBM Blockchain Platform

mit Walmart … und der Stellar Blockchain

Wer hätte es gedacht. Ausgerechnet der Handelsgigant Walmart ist ein Pionier in der Kryptowelt. Das Unternehmen, das seit Jahren immer wieder mit seinen drastischen Sparmaßnahmen Schlagzeilen macht, experimentiert zusammen mit IBM und weiteren Partnern, wie Nestlé und Dole, seit 2016 im Supply Chain Management mit Blockchain. Ihr Ziel ist eine standardisierte und lückenlose Nachverfolgbarkeit von Handelsgütern. Hierzu stellt IBM seine Enterprise Blockchain Plattform zur Verfügung. Diese unterscheidet sich von öffentlich handelbaren Kryptowährungen und ihren Blockchains. Sie ist gänzlich auf die Bedürfnisse von Unternehmen ausgelegt und kann von diesen bei IBM zur Nutzung angefragt werden.

Im Supply Chain Management hat Walmart die IBM Blockchain genutzt, um aus China importierte Schweine auf ihrem Weg in die US-Filialen der Handelskette zu tracken. Zu jeder Zeit kann über die Blockchain nachvollzogen werden, wo die Lieferung war, wie lange sie sich dort befunden hat und unter anderem auch, ob und wann etwa die Mindesttemperatur von frischer Ware überschritten wurde. So lassen sich Lebensmittelvergiftungen von Verbrauchern verhindern und die entsprechenden Fehler in der Lieferkette identifizieren.

IBM, die auch ihre eigene private Blockchain betreiben, nutzen diese seit 2017 in Kombination mit der öffentlichen Stellar Blockchain für Überweisungen zwischen Britischem Pfund und Fiji Dollar. 

Fähige neue Kryptowelt

Leider wird der Markt der zahlreichen Kryptowährungen von vielen Investitionswütigen über einen Kamm geschoren und von möglichst vielen Altcoins, so bezeichnet man alle “alternativen” Kryptowährungen neben Bitcoin, wird möglichst viel geshoppt, um eine ordentliche Rendite einzufahren. Und tatsächlich konnten bereits viele der alternativen Währungen Kinderkrankheiten, die Bitcoin begleiten, ausmerzen. Andere versuchen dies erst gar nicht, sondern zielen auf diverse Anwendungszwecke, die Bitcoin nicht abbilden kann. Doch es ist ebenso offensichtlich, dass durch Kooperationen mit namhaften Unternehmen die Kurse bestimmter Kryptowährungen besonders ausschlagen. Die Aussicht auf konkrete Lösungen spielt dabei sicherlich eine Rolle und kann durchaus ernstgenommen werden. Pauschal nur blinde Habgier hinter dem Boom zu sehen wäre ebenso falsch, wie nur von hervorragend informierten Experten als Investoren auszugehen.

Wir sehen gerade einer neuen Generation revolutionärer Technologien beim Erwachsenwerden zu. Welche Protokolle sich als die besten durchsetzen werden, ist kaum abzusehen. Kooperationen mit großen Unternehmen deuten aber bereits in die Richtung, dass es eine ganze Menge Anwendungsfälle für alternative Blockchains geben kann, die nicht auf Finanzen begrenzt sind. Wer hier gerne mit spekulieren möchte, dem sei ans Herz gelegt, sich eingehend mit den verschiedenen Kryptowährungen auseinanderzusetzen.

Sonst kaufen Sie die Katze im Sack.