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Veröffentlich in den Insights
26.01.2018 13:00

Kontoführung digitalisiert: Gestern, heute und morgen

Mit großer Wahrscheinlichkeit haben Sie mindestens einmal im letzten Monat online oder mit dem Smartphone auf ihr Konto zugegriffen. Was mittlerweile Teil unseres Alltags ist, ist das Ergebnis einer Entwicklung, die in den letzten Jahrzehnten geradezu rasant vonstatten ging. Und die Digitalisierung der Kontoführung ist noch lange nicht vorbei. Ein Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Wir wollen keinen Exkurs in das Italien des 14. Jahrhunderts unternehmen, wo das Bankwesen, wie wir es heute kennen, seinen Ursprung genommen hat. Stattdessen beginnen wir im Jahre 1619, in dem die Hamburger Girobank das bargeldlose Zeitalter in Deutschland einläutete, um am Handelsplatz Hamburg das im Wert schwankende Bargeld zu stabilisieren. 1876 wurde der Giroverkehr mit der Gründung der Deutschen Reichsbank im großen Stile etabliert – allerdings ausschließlich für Unternehmen und wohlhabende Bürger. Arbeitnehmer trugen ihre Gehälter noch in Lohntüten nach Hause und beglichen ihre Lebenskosten ausschließlich in bar. Erst durch die Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlungen, die das Ende der Lohntüten bedeutete, begann das Girokonto seinen Siegeszug in der breiten Bevölkerung. 2016 gab es in Deutschland über 102 Millionen Girokonten.

Das Girokonto früher: Einfach funktional

Bis heute hat sich das Girokonto und seine Bedeutung für Privatkunden, Unternehmen und die Banken selber stark gewandelt. Die Grundlegenden Funktionen des Girokontos umfasste lange Zeit Geldabheben, Überweisungen und Daueraufträge, Lastschriften sowie ab Ende der 1960er Jahre erstmals auch Dispositionskredite. Alles wurde papierbasiert und bis zur Einführung der ersten Rechenmaschinen manuell verwaltet. Der Gang in die Bankfiliale gehörte vor Einführung der ersten Geldautomaten in den späten 1970er Jahren zum Alltag. Auch Schecks , die immer mehr an Bedeutung verlieren, waren früher omnipräsent.

Es gibt noch immer viele Menschen, die ihre Finanzgeschäfte am liebsten auf die alte Art und Weise erledigen. Die Überweisung wird per Hand ausgefüllt und in den Briefkasten geworfen, wenn man dann sowieso schon einmal in der Filiale ist, nimmt man Auszüge und Bargeld für die gesamte Woche mit. Im Hintergrund läuft allerdings auch für diese Kunden alles digital ab.

In den 1980er Jahren wurde das Banking erstmals digital. Mit dem BTX Standard konnten Verbraucher und Unternehmer mit einer Kombination aus TV und Modem oder mit speziellen Terminals aus dem heimischen Wohnzimmer Bankgeschäfte erledigen. Durchgesetzt hat sich BTX aber nicht, zu groß war die Hürde sich eigens für diesen Zweck ein Gerät anzuschaffen. Heute, wo ohnehin jeder über die geeigneten Geräte verfügt, sieht das natürlich anders aus.

Die Kontoführung war lange Zeit mit vergleichsweise hohem Aufwand verbunden. Bestimmt haben einige Leser dieses Artikels weiterhin einen kleinen Ordner mit Kontoauszügen irgendwo im Regal stehen. Dabei ist Banking theoretisch schon längst vollkommen papierlos möglich.

Kontoführung heute: mobil, schnell, selbstverständlich

Heute ist das Girokonto weit mehr als eine Sammlung von Kontoauszügen. Für Banken ist das Girokonto ein wertvoller Zugang zu den Kunden geworden, für diese wiederum bietet es weit mehr Möglichkeiten als früher. Online und Mobile Banking ermöglichen den Zugriff jederzeit und von überall auf der Welt und auch die Eröffnung des Kontos passiert heute oftmals rein digital.

Als Kontoservices werden den Kunden zudem immer häufiger neben der Verwaltung ihres Giro- und Tagesgeldkonten auch Depotfunktionen angeboten oder eine Kreditkarte zur Verfügung gestellt. Oft sind dies auch Debitkarten, bei deren Einsatz der Betrag sofort vom verfügbaren Guthaben abgezogen wird. Dennoch kann man damit die allgegenwärtigen Zahlungsnetzwerke von Mastercard, Visa und Co. nutzen. Vom Handy oder PC aus können Bankkunden nahe gelegene Filialen und kostenfreie Geldautomaten suchen sowie Überweisungen per Stimmeingabe, wie beim Postbank Finanzassistenten, getätigt werden.

Ein zeitgemäßes Konto heute hat vor allem die Aufgabe sich unauffällig und bequem in den digitalen Alltag der Verbraucher einzufügen, reibungslosen Zahlungsverkehr sowie Zugriff auf weitere Bankdienstleistungen zu ermöglichen. Möglichst wenige Medienbrüche und die Einbindung von Drittanbieter-Services direkt in die Schnittstelle zwischen Mensch und Bank sind die aktuellen Trends. Dazu gehört das mobile Bezahlen mit NFC-fähiger Karte oder dem Smartphone genau so wie eine ständige, lückenlose Übersicht über alle Aktivitäten.

Das Konto der Zukunft: ein unsichtbarer Alleskönner

Das Konto und die zugehörigen Banking Apps, mobil oder browserbasiert, werden zunehmend zum Aushängeschild einer Bank. Steigende Kundenansprüche zwingen Banken heute, immer weiter an innovativen Features ihrer Apps zu schrauben – vor allem im Mobile Bereich. Einhergehen wird damit zukünftig auch ein weiterer Rückgang der Bankfilialen. Es zeichnet sich allerdings ab, dass weiterhin viele Kunden, auch die jüngeren, die Verfügbarkeit eines kompetenten menschlichen Ansprechpartners schätzen. Hier haben Maschinen zumindest noch einiges an Boden gut zu machen. Aber: Transaktionsdaten anzuzeigen und Überweisungen vorzunehmen reicht bereits nicht mehr und schon sehr bald lässt sich mit dem aktuellen State-of-the-Art der Kontoführung kein Blumentopf mehr gewinnen.

Kundendaten clever zu nutzen und auf deren Basis den Anwendern höchst personalisierte Lösungen zu präsentieren wird deshalb der Schlüssel zur Kontoführung der Zukunft sein. Dafür muss das Konto von morgen in die Zukunft sehen können. Prognosen des Kontostandes am Ende des Monats, Quartals und Jahres unter Berücksichtigung von wiederkehrenden Ausgaben und Einnahmen, Renditen und Abos. Sie tilgen gerade einen zu teuren Kredit? Ihr Konto empfiehlt Ihnen eine Refinanzierung mit Produkt XY. Das Konto wird zum persönlicher Assistenten, der Sie, ihre finanziellen Stärken und Schwächen kennt und Ihnen aktiv hilft, clevere Entscheidungen zu treffen.

Künstliche Intelligenz ermöglicht dabei nicht nur Prognosen, auch Spartipps wie zu teure Verträge, unsinnige Versicherungen oder automatisiertes Sparen aufgrund festgelegter Regeln sind möglich. So könnte Ihr Konto bald für jeden gekauften Hamburger 5 Euro für den Aktivurlaub zur Seite legen oder alle Kartenzahlungen aufrunden und den gerundeten Betrag am Ende des Monats automatisch auf ihren ETF-Sparplan aufschlagen. Überziehungs- und Dispozinsen werden dynamischer und fairer berechnet. Kredite verschiedener Anbieter werden Ihnen von den neuronalen Netzen maßgeschneidert angeboten.

Dabei verwalten Sie Ihre Sparziele aber nicht mehr nur über die Benutzeroberfläche ihrer App sondern per Stimme oder in Messenger Apps wie Whatsapp und iMessage. Über diese werden Sie bald auch Zahlungen versenden können. Der chinesische Kurznachrichten-Platzhirsch WeChat und Facebook in Großbritannien bieten das bereits jetzt an. Zukünftig könnten solche Zahlungen auch über Blockchains abgewickelt werden.

Alles vermischt

Viele Funktionen der Kontoführung werden sich in andere Services integrieren lassen, die Sie ohnehin nutzen. Ihr Konto wird weiter ins Zentrum Ihrer alltäglichen Gewohnheiten vorstoßen. Auf der anderen Seite wird dieses neue Konto, auf das Sie in ganz neuer Art und Weise zugreifen, selber funktionell stark erweitert werden. Banking wird einiges mehr können, als heute und für Sie dabei noch angenehmer werden.

Vieles von dem oben genannten spiegelt generelle Entwicklungen der Digitalisierung im Banking wider und ist nicht auf Kontofunktionen beschränkt. Doch die Trends im Privatkundengeschäft kanalisieren sich dabei an der Kundenschnittstelle Konto. Hier treffen sich der durch die PSD2 forcierte Open Banking Ansatz mit Lösungen von Technologieunternehmen und der technologische Fortschritt innerhalb der Banken. Ihr Konto wird ihr Zugang zu einem großen Produktportfolio, das nicht bei Finanzen endet.