#Digitalisierung
Veröffentlich in den Insights
24.03.2018 13:00

Healthtech – Die digitale Revolution in der Gesundheitsbranche

Die Gesundheitsbranche ist riesig, milliardenschwer und stark reguliert. Kommt Ihnen bekannt vor? Uns auch. Heute machen wir einen Abstecher in eine spannende Branche, in der die Digitalisierung nicht nur Ihr Leben erleichtern, sondern es verlängern oder gar retten kann.

Healthtech, auch Medtech oder Medizintechnologie genannt, bezeichnet den Einsatz neuer Technologien, wie Apps, Datensätze und vernetzte Geräte, im gesamten medizinischen Bereich. Dies klingt nicht nur recht weit gefasst, es handelt sich hierbei auch um ein riesiges Feld, das nur schwer einzugrenzen ist. Und um ein sehr spannendes.

Wie auch Fintech ist Medtech ein Bereich, in dem es viel zu optimieren und auch viel zu verdienen gibt: Das weltweite Umsatzvolumen der Branche wuchs zwischen 2009 und 2015 von 308 auf 371 Milliarden Euro. 2021 sollen es bereits 522 Mrd. sein. Deutschland ist dabei der größte europäische Markt der Branche (Quellen: Statista). Bedingt durch den demographischen Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung der Menschen ist auch ein baldiges Schrumpfen des Marktes nicht zu erwarten. Denn wir wollen immer gesünder immer älter werden.

Sie denken bei Medizintechnologie vielleicht zuerst an Herzschrittmacher, Röntgen- und Magnetresonanz Verfahren. Alles richtig, aber nicht die Kategorie, mit der wir uns heute beschäftigen wollen. Die Digitalisierung und Datenaffinität von Verbrauchern und Unternehmen ermöglichen heute vielmehr voll digitale Innovationen, die Therapie und Prävention deutlich verbessern sollen. Einige davon nutzen Sie vielleicht schon.

Smarte Geräte und Materialien

Sogenannte Wearables, wie Fitness Armbänder oder Smart Watches, sind der wohl größte Trend in der Healthtech Branche. Wer etwa mit einer Uhr seine Herzfrequenz in Ruhe- und Belastungsphasen aufzeichnet, hat damit schon wertvolle Daten gesammelt und es ließen sich eventuelle Herzkrankheiten dadurch erkennen. Interessant: Hier könnten Versicherer Menschen, die nachweislich Sport treiben und auf ihre Herzgesundheit achten, günstigere Prämien oder Boni anbieten.

Aber auch smarte Matratzen, die den Schlaf analysieren, Tipps für eine bessere Nachtruhe geben und Krankheitsbilder wie Schlafapnoe (Atemaussetzer) erkennen, gehören hierzu. Prinzipiell ist die spannendste Entwicklung aber schlussendlich die Handhabung der Daten, die durch all die Geräte gesammelt werden. Auch hier wird künstliche Intelligenz, wie auch im Banking, eine tragende Rolle spielen, um die Daten optimal nutzbar zu machen.

Bei all den Lösungen bleibt eine große Herausforderung: Die Lizenzierung der Produkte für den medizinischen Einsatz ist eine extrem langwieriger und schwieriger Prozess, der zudem sehr teuer ist. Wenn es um die Gesundheit geht, dürfen kaum Risiken verbleiben und die Produkte müssen im höchsten Maße zuverlässig und verträglich sein.

Die Technik-Revolution gegen den bestehenden Markt

Ein weiterer Trend: Die Patienten und ihre Wünsche rücken in den Fokus. Der größte Innovationstreiber im eCommerce und Fintech-Bereich – kundenzentrierte, schöne und bequeme Lösungen an die Kunden zu bringen – wird auch die Gesundheitsbranche verändern. Trotz massiver Lobby, starker Regulatorik und gefestigter Marktstrukturen werden Herausforderer hier weiter massiven Druck auf die etablierten Player ausüben. Im Banking dachte vor einigen Jahren auch noch niemand, dass der Markt so fragmentiert werden würde, wie es dann eintrat. Erst langsam kristallisieren sich dort neue Strukturen heraus – und das nur in einzelnen Bereichen. Wieso sollte das nicht auch in der Gesundheitsbranche passieren?

So wurde in Deutschland erst kürzlich ein Gesetz gelockert, das es Ärzten erlaubt, ihre Patienten auch aus der Ferne, also etwa über Telefon oder Videochat, zu beraten, ohne sie zuvor gesehen zu haben. Rezepte dürfen so zwar noch nicht ausgestellt werden, doch auch das kann sich ändern. Gerade Patienten in abgelegenen Regionen profitieren deutlich von solch einer Behandlung und auch in urbanen Räumen kann dies zu einer Erleichterung beim Arztbesuch führen. Ein erster kleiner Schritt. Viele weitere werden folgen.

Der allgemeine Trend wird klar sein: variablere, günstigere, transparentere und patientenfreundlichere Lösungen werden zumindest Bereiche des Gesundheitswesens bereichern und Alternativen bieten, wo Gesetzgebung, Krankenkassen und die Großen der Industrie es zulassen. In der nächsten Woche wollen wir Ihnen einige visionäre Lösungen präsentieren. Soviel sei schonmal gesagt: Unsere alten Bekannten Apple, Google und Amazon haben auch hier von Beginn an kräftig mitgemischt.