#Digitalisierung
Veröffentlich in den Insights
29.03.2018 14:00

Apple, Google & Amazon – Ihre neuen Ärzte?

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In der boomenden Healthtech Branche sind es vor allem unsere alten Bekannten Google, Apple und Amazon, die schon seit längerem große Teams an den medizinischen Lösungen von morgen arbeiten lassen. Die Internetriesen geben mit den Ton an in der Digitalisierung der Gesundheitsbranche. Sollten wir Angst davor haben unsere Gesundheit den Tech-Konzernen zu überlassen?

Apple konzentriert sich äußerst stark auf das Thema Gesundheit. Nicht nur der cleane, aufgeräumte und teils sterile Apple Look passt zum Thema. Auch das Engagement des wertvollsten Unternehmens der Welt signalisiert, dass die US-Amerikaner es ernst meinen in der Gesundheitsbranche.

Apple hat in den vergangenen Jahren vermehrt nicht nur Kenner der Gesundheitsbranche eingestellt, sondern auch Ärzte und Experten für biomechanische Gerätschaften. Heute schon dient die Apple Watch als nützliches Gerät, um viele Vitalfunktionen aufzuzeichnen und auch Ärzten zur Verfügung zu stellen. Dazu stellt Apple Entwicklern mit dem HealthKit eine Schnittstelle bereit, um verschiedene Nutzerdaten in der Apple Health App an einem Ort zu sammeln. Außerdem gibt es schon Schnittstellen zwischen der Apple Watch und Glukose-Monitoren medizinischer Hersteller.

Einen Schritt weiter geht das ResearchKit, das entwickelt wurde um tagtäglich medizinische Daten von tausenden Anwendern zu sammeln und Apps für Ärzte, Forscher und Nutzer gleichermaßen zu entwickeln. Mit Hilfe solcher Apps können bspw. Autismus-Spektrum-Störungen früh erkannt werden, Parkinson Patienten ihre Symptome in Abhängigkeit von ihren täglichen Aktivitäten bewerten, oder Epilepsie Patienten sich bei einem nahenden Anfall in eine sichere Umgebung begeben. Das alles basierend auf den kontinuierlich gesammelten eigenen Daten der Nutzer, mithilfe derer sie ihr Leben mit ihrer Krankheit optimieren können und die Forschern helfen, anderen Menschen zu helfen.

Dr. KI macht keinen Feierabend

Während der Einsatz neuer Hardware sofort gut vorstellbar ist, sind Daten und ihre Analyse ein mindestens genauso interessantes Thema im Healthtech Bereich. Denken Sie einmal daran, wie Ärzte Sie diagnostizieren: Sie schildern ihnen in wenigen Minuten Ihren Zustand sowie Symptome und bringen eventuell ältere Befunde und Diagnosen mit. Mediziner vergleichen diese mit bekannten Symptomen und stellen Diagnosen zu Erkrankungen, die darauf passen oder symptomatisch möglichst ähnlich sind.

Das Feld ist wie geschaffen für künstliche Intelligenz, die quasi unerschöpfliche Patientendaten aus vielen Jahrhunderten Medizingeschichte analysieren könnte. Und die Maschine hat dabei noch mehr Zeit, gründlich auf alle erdenklichen Ursachen einzugehen. Ärzte können nur begrenzte Zeit pro Patient aufwenden während KIs abertausende von Datensätzen in Sekunden abgleichen und so deutlich gründlichere Diagnosen erstellen könnten. Hier mischen Google und Amazon mit – die Meister der Datenanalyse.

Amazon ist dabei auf den Spuren Christoph Kolumbus' unterwegs. 1492 entdeckte Kolumbus versehentlich eine neue Welt – ein Wendepunkt in der Geschichte des modernen Menschen. Ganz bescheiden benennt Amazon sein neues Projekt mit dem Ziel in die Gesundheitsbranche vorzustoßen nach dem Jahr dieser Entdeckung. Denn der Konzern möchte nicht weniger als komplettes Neuland im Gesundheitswesen zu betreten.

Den spärlichen offiziellen Informationen zufolge plant Amazon ein nachhaltiges und umfassendes Ökosystem für die Bereitstellung von Patientendaten für Ärzte und Patienten gleichermaßen zu realisieren. Noch ist nicht viel mehr als das bekannt, außer einigen Gerüchten um wichtige Namen in der globalen Medizinbranche und offizielle Kooperation mit Größen wie Warren Buffet und der Bank JPMorgan Chase.

Neben großen Investments in Unternehmen der Medizinbranche ist auch Google mittlerweile aktiv im Healthtech Bereich. Besonders das Thema Daten hat es ihnen angetan – was auch sonst. 2014 kaufte Google die auf künstliche Intelligenz spezialisierte Firma DeepMind und startete kurz darauf eine Kooperationen mit dem staatlichen Gesundheitssystem Großbritanniens, der NHS (National Health Service).

Eine komplexe Frage der Ethik

Die ersten Bemühungen Googles in die Gesundheitsbranche vorzustoßen stießen allerdings auf einige Probleme: Die Patientendaten, mit denen der DeepMind Health Algorithmus “trainierte”, hätten dem Unternehmen aus datenschutzrechtlichen Gründen niemals zur Verfügung gestellt werden dürfen, da keiner der Patienten überhaupt zur Zustimmung gebeten wurde. Das Ziel war es eigentlich, ein gefährliches und schwierig zu entdeckendes Nierenleiden mithilfe der künstlichen Intelligenz leichter diagnostizier- und behandelbar zu machen.

Am anschließenden Widerstand und der öffentlichen Empörung lässt sich ablesen, dass gerade das (selbst verschuldete) Misstrauen gegenüber den großen Tech-Konzernen wegen ihres oft fragwürdigen Gebarens – ob beim Thema Steuern oder Datenschutz – hier Akzeptanz und schließlich Fortschritt verhindert. Das Misstrauen ist jedoch durchaus verständlich und Aktionismus der Verantwortlichen von Nöten. DeepMind hat reagiert und versucht mit großer Transparenz neues Vertrauen zu schaffen. Unter anderem sollen per Blockchain alle Zugriffe auf Patientendaten nachvollziehbar werden.

Ethische Bedenken bleiben übrigens im gesamten Healthtech-Gebiet die Nummer Eins unter den Showstoppern. Angefangen beim Hacking von Health Devices über die Fähigkeit der Reichen sich auch biologisch über die Ärmeren stellen zu können, bis hin zu den gesellschaftlichen Implikationen von einer sich wandelnden Wahrnehmung von dem, was überhaupt gesund oder ungesund ist – hier gibt es einiges an Diskussionspotential. Da ist der Datenschutz nur die Spitze des Eisberges.