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Veröffentlich in den Insights
04.05.2018 14:00

Nehmen Sie Ihre Daten selber in die Hand – per Blockchain

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Mit der PSD2, der erweiterten Zahlungsdienst-Richtlinie der Europäischen Union, ist seit nunmehr vier Monaten eine Richtlinie Realität, über die im Vorhinein ihrer Einführung viel diskutiert und in die große Hoffnung gesteckt wurde. Mit ihr sollte Open Banking europaweit endlich Realität werden. Doch der Erfolg von Open Banking hängt auch vom Willen der Kunden ab, gewisse Daten aktiv zur Nutzung durch Dritte freizugeben. Was können Banken und Fintechs nun tun, um das Kundenvertrauen zu gewinnen? Dass Verbraucher ihre Daten statt in Datensilos einer Bank in einer Blockchain selber verwalten könnte die Antwort darauf sein.

Stellen Sie sich vor, dass nicht mehr ihre Bank viele Ihre persönlichen Daten aufbewahrt und unter bestimmten Voraussetzungen an Drittanbieter weitergibt. Stellen Sie sich vor, sie würden alle ihre personenbezogenen, geschäftlich wie privat relevanten Daten selber managen – immer sicher aufbewahrt und immer nachvollziehbar, wer wie damit verfahren ist. Und immer mit der Kontrolle, die Nutzungserlaubnis jederzeit zu erteilen und zu entziehen. So könnte das Identitäts- und Datenmanagement der Zukunft aussehen – mit Blockchain Technologie.

Identität – aber sicher

Bisher müssen bspw. Drittanbieter von Finanzservices die Erlaubnis des Kunden einholen, dass sie bestimmte Kundendaten von der Bank einziehen und speichern dürfen. So weit, so gut. Doch wo bei Banken starke und engmaschig kontrollierte Regulierung die Sicherheit der Kundendaten garantieren soll, fehlt dieser Sicherheitsaspekt bei Fintechs meist. So sind Kunden skeptisch bei der Einwilligung, dass ihre Daten weitergegeben werden, denn sie könnten Hackern leichter in die Hände fallen. 

Ein blockchain-basiertes Datenmanagement klingt daher erst einmal fantastisch, denn als Kunde hat man dann die größtmögliche Kontrolle. Das ist ein großes Stück Freiheit, aber bedeutet auch, dass daraus entstehende Risiken selber zu verantworten sind. Die Entscheidung zu treffen, wer welche Daten nutzen darf, wirkt dann eventuell wie ein so heikles Unterfangen, dass viele Kunden im Zweifel eher keine Nutzungserlaubnis erteilen. Leider ist es enorm schwierig diesen Sachverhalt einer skeptischen oder schlecht informierten Kundengruppe nahezubringen. Transparenz und pro-aktive Information seitens Banken und Serviceanbieter sollten daher einen viel höheren Stellenwert genießen, als aktuell.

Per Blockchain könnte man dann eine offene Informationspolitik mit konsequentem Tracking der Interaktionen mit den zur Verfügung gestellten Kundendaten perfektionieren. So wäre für Sie immer nachvollziehbar, wer wann auf Ihre Daten zugegriffen hat. Diese können außerdem nach einmaligem Zugreifen eines Anbieters auf ihre Zahlungsdaten, wieder die Erlaubnis entziehen und so volle Kontrolle über ihre Daten behalten. Natürlich ist dies nicht ausschließlich auf Finanzdienstleister beschränkt – überall, wo Sie Ihre Identität nachweisen müssen, wäre diese Lösung ein Segen.

Prozesse beschleunigen, Risiken und Kosten minimieren

Verbaucher können also alle Daten, die Unternehmen oder Behörden benötigen, per Blockchain verwalten und stets nachvollziehen, wie diese genutzt wurden. Das hat für alle Beteiligten Vorteile, denn es beschleunigt und vereinfacht viele Prozesse enorm. Wie diese Blockchain-Lösung für Identitäten genau aussehen kann, bietet viel Interpretationsspielraum. Vermutlich etablieren sich dafür bestimmte Anbieter, die es für jeden einfach machen, ihre Daten dezentral zur Verfügung zu stellen – auch wenn das bedeutet, dass hier wieder einem Intermediär vertraut werden muss.

Wichtig ist aber, dass gerade Banken und Unternehmen durch solche Lösungen prinzipiell viel weniger Risiken tragen müssen, denn sie wären damit theoretisch nicht mehr für die sichere Verwahrung der Kundendaten zuständig. Mit den Verbrauchern als Verantwortliche für die Verwaltung ihrer Daten, sind Unternehmen nur noch Mitleser. Das bedeutet auch, dass sie viel weniger Compliance-Aufwand in Sachen Datenschutz tragen müssten und dadurch jede Menge Ressourcen einsparen könnten.

Das kommt langfristig den Kunden zugute, denn Unternehmen können sich vermehrt auf die Verbesserung ihrer Services und damit das perfekte Erlebnis für den Kunden konzentrieren, statt Geld und Zeit in Sicherheit und zentrale Infrastrukturen zu stecken, die allen Richtlinien genügen.