Veröffentlich in den Insights
03.08.2018 11:00

Darf's etwas mehr sein? Die Bank als Supermarkt

Rund ein halbes Jahr ist seit Inkrafttreten der Payment Service Directive 2 vergangen, die europäischen Richtlinie, die das Open Banking vorantreiben und Kunden bequemere Bezahl-Services bescheren soll. Sie beschleunigt aber durch das Vorantreiben von Kooperationen zwischen Banken und Fintechs auch eine Entwicklung, die bereits seit Mitte der 1990er Jahre läuft – die Entwicklung von Banken zu einer Art Supermarkt für Finanzprodukt und verwandte Angebote. Darf es auch für Sie gerne etwas mehr sein?

Dass Banken über Softwareschnittstellen (APIs) Drittunternehmen Zugriff auf Teile ihrer Banksysteme erteilen müssen hat den meisten von ihnen nicht sonderlich gut geschmeckt. Einige haben den Stichtag verpasst, zu dem sie offiziell ihre APIs bereitstellen mussten, andere haben schlechte APIs abgeliefert, manche aber haben mit großer Freude schon früh Chancen für engere Kooperationen mit FinTechs gesehen und sich hier stark aufgestellt. Open Banking kommt langsam ins Rollen und damit geht die Finanzbranche einen weiteren Schritt auf die Kunden zu, die immer mehr Convenience – also schnelle und reibungslose Erledigung ihrer Finanzgeschäfte – verlangen. Und weil Convenience einen wirklichen Wert hat, vollzieht sich weiter die Verwandlung von Banken hin zu einem zentralen Punkt, an dem Kunden weit mehr bekommen, als ein Girokonto und maximal einen Kredit eines Fintech-Kooperationspartners als das Höchste der Gefühle.

Banking-as-a-Service … und eine Scheibe extra, bitte

Die im Phänomen des Unbundlings beschriebene Zerlegung bestehender Produktpaletten von Finanzdienstleistungen in kleinere eigenständige Produkte ist in vielen Bereichen vollzogen und es ist eine Produktwelt entstanden, in denen Privat- und Geschäftskunden nun alleine im Bereich Kredit zwischen Peer-to-Peer, Crowdfunding oder dem klassischen Bankkredit wählen können – je nach Höhe, Laufzeit und Zweck. Diese Zerlegung hat in vielen weiteren Bereichen stattgefunden, etwa im Payment Sektor, bei der Geldanlage und im Wertpapiergeschäft und einstige Konkurrenten aus der Fintechbranche nutzen vermehrt die Vertriebskanäle der Finanzinstitute. Die Bank mit ihrem hohen Trust und der engmaschigen Regulierung bleibt hier ein attraktiver Anbieter und kann diese Produkte zentral vertreiben.

So kann man sich den Finanzsupermarkt aber eher wie einen App Store vorstellen, in dem um das Kernprodukt – sagen wir das Girokonto – eine Fülle an weiteren Services zugebucht werden kann. Neben dem Tagesgeldkonto sind die Möglichkeiten hier dann bei weitem nicht mehr auf reine Finanzprodukte beschränkt. Beispielsweise sind alle Entscheidungen zu Anschaffungen, die für Kunden eine finanzielle Relevanz haben, interessante Anwendungsfälle für Banken.

Auto suchen, kaufen, finanzieren, versichern? Ab zur Bank!

Der meistgenannte Finanzierungsgrund in Deutschland ist mit 32% etwa die Anschaffung eines gebrauchten PKWs: 5,6 Millionen Menschen gaben 2017 an, als nächstes Fahrzeug einen Gebrauchtwagen kaufen zu wollen. Dem gegenüber stehen 2,2 Millionen Neuwagenkäufer. Für eine Bank ist es also attraktiv nicht nur zufällig von Kunden für die Finanzierung ausgewählt zu werden, sondern direkt das ganze Paket zu bieten: Gebrauchtwagensuche mit zertifizierten Händlern, Auswahl eines passenden Finanzierungsmodells aus dem Bankportfolio (eventuell mit Fintech-Partnern) und die passende Versicherung gibt’s gleich dazu – diese können Insurtechs und große Versicherer gleich mit im Banken-Appstore anbieten. Alle Leistungen können dabei auch unabhängig voneinander gewählt werden – es sind eben nur Produkte, die im Regal liegen.

So wie auch Supermärkte im stationären Handel auf vielfältige Weise mit Musik, Gerüchen, einer cleveren Aufteilung ihres Sortiments und entsprechender Leitung der Kunden versuchen eine regelrechte Erlebniswelt der Sinne zu kreieren, müssen auch Marktplatz-Banken emotionaler werden. Dazu lassen sich, ergänzend zum Onlineangebot, auch in den weiter zahlenmäßig rückläufigen Filialen wieder attraktive Möglichkeiten finden, die Kunden zu gewinnen oder wenigstens davon abzuhalten, bei der Konkurrenz zu shoppen.