Veröffentlich in den Insights
03.09.2018 09:00

Regulierung – Wieso brauchen Banken Spielregeln?

Bankenregulierung in Deutschland, Eu und weltweit

PSD2, MiFID2, MaRisk, Basel IV: Die Zahl neuer und überarbeiteter Richtlinien für Banken wird laufend größer. Dabei geht es in der Bankenregulierung heute zunehmend um digitale Prozesse und europaweite Vereinheitlichungen. Dabei haben wir alle ein Interesse daran, dass Banken rundum sicher sind, denn sie verantworten nicht nur unsere Ersparnisse, sie sind tief verworren mit weltweiten Volkswirtschaften. Doch wie werden sie reguliert und warum ist das wichtig?

Weltweit gelten etwa 30 Banken als “too big to fail”. Sie sind so wichtig, dass ihre Pleite eine wirtschaftliche Katastrophe nach sich ziehen könnte. Dazu gehören die amerikanischen Banken JP Morgan Chase und die Bank of America, die britische HSBC sowie die Deutsche Bank. Was passiert, wenn solche Banken durch die verantwortlichen Staaten gerettet werden müssen, mussten wir im Laufe der letzten Finanzkrise miterleben: Viele Milliarden an Steuergelder flossen in die Banken, um sie zu stabilisieren. Wie kam das? Zu viele Banken, kleinere wie auch die systemrelevanten, handelten mit stark risikobehafteten und undurchsichtigen Krediten, frei von staatlicher Regulierung.

Als Hauptverursacher der Finanzkrise von 2008 galten dabei Geschäfte von US-Hypothekenbanken mit sogenannten Subprime Loans (“zweitklassige Kredite” – Hypothekendarlehen für Privatpersonen mit geringer Bonität) die durch den extrem niedrigen Leitzins für Banken attraktiv waren, schließlich konnten sie aufgrund der kaum vorhandenen Sicherheiten ihrer Kreditnehmer hohe Zinsen rechtfertigen, während sie selber phänomenal günstig an Geld kamen. Die Kredite verkauften sie mit Hilfe von Rating-Agenturen als vermeintlich hervorragende Geldanlagen weiter. Als Sicherheit für Zahlungsausfälle sollten ihnen die finanzierten Immobilien der Schuldner dienen, die – so glaubte man – weiterhin rasant an Wert gewinnen würden.

Außer Acht gelassen wurde allerdings die in den USA drohende Immobilienblase – die dann auch eintrat und das gesamte Geschäft in sich zusammenbrechen ließ. Eine Hypothekenbank nach der anderen ging den Bach hinunter bis schließlich die Investmentbank Lehman Brothers dran glauben musste und die Krise perfekt war. Aufgrund ihrer internationalen Bedeutung zog die Lehman Brothers Pleite nicht nur die US-Wirtschaft in Mitleidenschaft, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Die Nachwirkungen sind noch immer spürbar, die Krise hat unüberschaubare Kosten verursacht und in einem waren sich alle sicher: Das darf nicht noch einmal passieren. Selbst in den USA, wo die Bankenpolitik bis dato sehr liberal gehalten war, wurden strengere Richtlinien erlassen, die die Handlungsfreiheit der Banken einschränken, um ihre risikoreichen Geschäfte einzudämmen.

Wer legt die Regeln für Banken fest?

Richtlinien für Banken entstammen deshalb auch international verschiedenen Instituten und Gremien. Deutschlandweit sind hier BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und Bundesbank sowie das Bundesministerium der Finanzen und verschiedene Prüfungseinrichtungen der Bundesbanken verantwortlich. Um europaweite Vereinheitlichungen und Regularien kümmert sich die Europäische Bankenaufsicht (noch in London, als Reaktion auf den Brexit zukünftig aber in Paris) sowie die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank. Außerdem existiert seit der Pleite der Herstatt-Bank im Jahre 1974, die das internationale Bankensystem arg ins Straucheln brachte, mit dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht ein Gremium, das möglichst einheitliche weltweite Standards in der Bankenaufsicht festlegen möchte. Diese sind zwar nicht rechtlich bindend, werden aber in der Regel von den betroffenen Ländern in nationales Recht umgesetzt. Besonders nach 2008 ist die Wichtigkeit internationaler Spielregeln klar geworden.

Gerade innerhalb der EU haben die Bürger der unterschiedlichen Volkswirtschaften ein Interesse daran, dass ihre miteinander verworrenen Geldhäuser stabil und sicher bleiben. Um das zu garantieren, müssen sie gemeinsamen Regeln folgen. Für die Banken der Eurozone bringt das aber einen beträchtlichen Arbeitsaufwand mit sich, denn Compliance zu sichern, also mit allen Richtlinien konform zu sein, bedarf intensiver Arbeit – vor allem an den teils sehr alten und komplexen IT-Infrastrukturen. Das bedeutet gleichzeitig natürlich enorme Kosten: vier Prozent ihres Umsatzes geben Finanzinstitute an für Compliance auszugeben, wobei bis 2022 zehn Prozent des Umsatzes darauf entfallen könnten. Eine KPMG-Studie beziffert die Ausgaben in Deutschland auf neun Milliarden Euro jährlich.

Bei allen Bemühungen scheint eines aber Konsens zu sein: “Ein völlig stabiles, ein komplett krisenfreies Finanzsystem wird es in der Realität nie geben.” Das sagte Dr. Andreas Dombret 2017 in seiner Rede zum Thema ‘Wege zu einem stabilen Finanzsystem’. Das Ziel einer sinnvollen Bankenregulierung sollte sein, zumindest die Auswirkungen von Krisen auf die Bürger eines Landes zu minimieren – und die Chancen einer Krise von vornherein soweit wie möglich zu minimieren.

Auch, wenn das auf Kosten der Handelsfreiheit von Banken und damit eventuell auf eine weniger dynamische Entwicklung der Wirtschaft geht. Es ist ein Balanceakt. Welcher Richtlinien Sie als Verbraucher schützen und wie genau die Regulierung sicherstellen will, dass das Risiko einer erneuten Krise minimiert wird, erfahren sie im zweiten Teil.