Michael Schweisthal 10.03.2017 18:00

Banken & FinTechs: Alleine oder zusammen arbeiten?

Von ca. 1 Milliarde auf ca. 24 Milliarden U.S. Dollar – so sah die weltweite Entwicklung der Investments in FinTechs von 2008 bis 2016 aus. Prognosen reichen bis knapp 50 Milliarden Dollar im Jahr 2020. Eine Branche also, die boomt und etablierten Finanzhäusern Geschäftszweige streitig macht. Die Banken, die sich der Schwierigkeiten und Chancen der Digitalisierung bewusst sind, haben seit geraumer Zeit ihre Innovationsstrategien hierauf angepasst und innovieren und investieren. Doch welche sind die Strategien für Banken, die sich als nachhaltig wirksam erweisen können? 

Die letzten Jahre im Banken- und Finanzwesen waren schnelllebig, intensiv und spannend. Es hat sich geradezu ein Paradigmenwechsel vollzogen, wenn auch Finanzdienstleister und -institutionen seit Jahrzehnten schon digitale Strategien verfolgen. Die Schlagzahl hat sich deutlich erhöht, "innovate or die" ist die Devise. Längst denken Banken nicht mehr FinTechs seien kurzlebig, zu klein, zu jung, zu naiv und surften auf einer Erfolgswelle in ihrer unregulierten FinTech-Blase. Die Meinung, Banken seien Dinosaurier und dass regulatorische Hürden, verstaubte IT und das "Braten im eigenen Saft" sie so viel Energie koste, dass Innovation unmöglich wird, ist ebenfalls überholt. Zu intensiv arbeiten beide Seiten an ihren vermeintlichen Schwächen und zu groß sind ihre jeweiligen Stärken. Zu vielfältig sind auch die Möglichkeiten, wie sich beide Seiten ergänzen und gegenseitig helfen können, statt sich zu bekämpfen. Das Schöne daran: Der Kunde ist der Gewinner.

Kooperationen zwischen Fintechs und Banken

Banken verfügen über einen starken Kundenstamm und im Gros auch über dessen Vertrauen. Sie haben außerdem enorme infrastrukturelle, personelle und monetäre Ressourcen und Zugang zu einer Vielzahl von Märkten. Dies alles sind Assets von unschätzbarem Wert für junge Unternehmen, die mit sich einem guten Produkt am Markt platzieren wollen.

Auf der anderen Seite haben Banken seltener die kreative und strukturelle Freiheit, neue Produkte agil und "lean" zu entwickeln – obwohl das KnowHow und die Ressourcen sicherlich vorhanden sind. Zu groß sind die Interessen der zahlreichen Stakeholder, zu hoch die Reputation, um einfach mal einen MVP auf die Straße zu bringen und eventuell kurz darauf wieder einzustampfen. Die Folge sind längere Entwicklungszeiten und eine größere Zurückhaltung dabei, Ideen auszutesten. Dass so Nischenprodukte entwickelt werden, die nur auf einen sehr spezifischen Teil der Kunden zugeschnitten sind, passiert hier eher selten.

Banken werden, trotz des beachtlichen für Digitalisierungs- und Innovationsmaßnahmen eingesetzten Kapitals, leider noch immer als mäßig innovativ wahrgenommen. Durch Kooperationen können Banken ihren Kunden eine diversifizierte Servicepalette anbieten und liefern den Technologieunternehmen dabei Zugang zu einem attraktiven Markt. Denn häufig ginge für Fintechs ein selbständiger Launch ihrer Produkte am Markt mit dem Erwerb einer Banklizenz einher - was, wie die meisten vermutlich wissen oder zumindest ahnen - eine langwierige und vor allem kostspielige Angelegenheit ist.

Solche Kooperationen bestehen mittlerweile in einer großen Vielfalt und Banken beginnen untereinander zu konkurrieren, um exklusiv die attraktivsten Produkte anbieten zu können.

Co-Creation und Open Innovation

Da Stillstand keine Option und die Digitalisierung der Finanzwelt noch lange nicht am Ende angelangt ist – noch immer gibt es neue Technologien zu entdecken, vielversprechende Geschäftsmodelle zu erkunden und sich wandelndes Kundenverhalten zu berücksichtigen – gibt es selbstverständlich auch den Wunsch in-house und aus eigener Kraft Innovationen zu realisieren. Aus oben genannten Gründen ist dieser Aufwand enorm.

Große Unternehmen, Konzerne und auch Banken haben die Möglichkeit, die Menge ihrer Kunden als Inspiration, Ideenpool und Spiegel ihres Unternehmens zu nutzen. Im engen Austausch mit den Kunden erfährt man nicht nur Wertvolles über die eigene Außenwahrnehmung und Handlungsbedarf bei den eigenen Services und Produkten. Man kann vielmehr im Diskurs den Kunden kennenlernen, seine Bedürfnisse identifizieren und mit ihm im Fokus die optimale Lösung entwickeln.

Die Postbank hat mit dem Ideenlabor bereits seit geraumer Zeit eine Open Innovation Plattform. Der Begriff beschreibt den Grundgedanken: Interne Innovationsprozesse und -strategien werden hier nach außen geöffnet. Es werden nicht nur Prozesse für externe Personen einsehbar und transparent, sondern es wird offensiv ein Diskurs, ein Austausch mit den Personen provoziert. Hier spielen somit auch Grundgedanken des User-Centered Design mit in die Prozesse. Außerdem ermöglicht die Open Innovation Plattform, erstmalig in einer begrenzten Testumgebung mit echten Kunden, konkrete Produktideen zu testen. Prozesse werden abgekürzt, MVPs können (zumindest befriedigend) validiert werden – man nähert sich deutlich den Prozessen an, wie sie, aufgrund ihrer Struktur, vorrangig kleinen Unternehmen vorbehalten sind.

Das Herz dieser Co-Creation: ein treuer und vertrauensvoller Kundenstamm. Die Kunden von heute sind nicht bloße Empfänger einer Dienstleistung. Sie sind autonomer geworden, leben und atmen digital und ihre sich wandelnden Bedürfnisse waren bereits der Treiber hinter der digitalen Revolution in Branchen wie Retail oder der Musikbranche. Sie verfügen über einen großen Schatz an Informationen, reflektieren Ihre Wünsche und entscheiden sich so kompetenter.

Der logische nächste Schritt für diese Art der Kunden ist dann der Wunsch, direkt in die Entwicklung von Produkten mit einbezogen zu werden. Die Postbank versucht die Potentiale der Co-Creation wirklich zu nutzen. Im Ideenlabor wurden bereits eine Vielzahl von Ideen gepitcht, Apps getestet und iterative Entwicklungsprozesse durchgeführt. Weitere Formate wie die POST /bank Hackathon Roadshow, die die Open Innovation nochmal auf eine gänzlich andere Ebene hebt, zeugen weiterhin von den Bemühungen, so viele externe Impulse wie möglich mit einzubeziehen.

Kooperationen mit Fintechs und Co-Creation mit Kunden sind nur zwei Ansätze, doch sie verdeutlichen, dass Öffnung – wohlgemerkt in bestimmten Bereichen – unverzichtbar ist. Wer sich offen positioniert und hier proaktiv handelt, ausprobiert, Schwächen identifiziert, ist besser gewappnet für die Konkurrenz. Denn ab Mitte Januar 2018 wird durch die PSD2 nochmal Schwung in den digitalen Finanzmarkt kommen.

Nach oben