#Startup Szene
15.09.2017 11:00

Investorensuche: Drum prüfe, wer sich lange bindet

Venture capital, investors and startups

Die Entscheidung ist gefallen: Ihr wollt den Weg eures Startups gemeinsam mit einem externen Geldgeber gehen. Ihr arbeitet fieberhaft an eurem Produkt, doch es gibt noch viel zu tun. Ihr müsst weitere Entwickler beschäftigen, braucht neue Geräte, müsst Server mieten. Wenn ihr wirklich vorankommen wollt, das wird schnell klar, werden die Ausgaben steigen. Auch wenn ihr für Fremdkapital Anteile an eurem neuen Unternehmen abgebt, so lohnt es sich doch das gesamte Potenzial eurer Idee mit Hilfe dieser Mittel auszunutzen. Also beginnt die Suche nach...ja nach wem überhaupt? Und wie wählt ihr euren Traumpartner aus? Es beginnt eine spannende Reise, die bereits über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann.

Nicht jede Idee eignet sich dazu, ein selbst finanziertes Unternehmen aufzubauen. Nicht jedes Produkt kann schnell am Markt platziert werden und Umsatz generieren. Häufig bedarf es monate- und jahrelanger Arbeit, bevor ein Produkt überhaupt soweit konzeptioniert und umgesetzt ist, dass man es erstmals auf Nutzer loslassen kann. Vom s.g. Product-Market-Fit (PMF) ganz abgesehen, denn in der Realität erreicht es bei den Kunden dann meist doch nicht aus dem Stand die Beliebtheit, die man sich ausgemalt hat. Also wird weiter angepasst, Bugs gefixt, das Marketing gezündet und eine neue Version gelauncht. Wenn die Idee gut ist, dann lohnt es sich, sich diese Zeit zu nehmen. “Wer soll das bezahlen?” mag man sich fragen und die Antwort lautet meist: Business Angel oder Venture Capital Fonds.

Bei Business Angels (BA) handelt es sich um vermögende Privatpersonen, die ein Interesse daran haben, Gründer mit einer guten Idee zu unterstützen. Ein ‘guter’ Business Angel ist aber nicht bloß reich, sondern hat selber einen Hintergrund in der Branche, in der das Startup aktiv werden möchte und hat im besten Fall selber einmal ein Unternehmen gegründet, kennt also die Fallstricke und Probleme – aber auch die Lösungen.

Bei Venture Capital Gesellschaften (VC) sieht es etwas anders aus. Hier handelt es sich um eine GmbH mit angeschlossenem Fonds, deren Ziel es ist, durch Investition in mehrere Unternehmen die Rendite der Anleger zu maximieren.

Da wir in den ersten Phasen (Seed und Series A) von noch sehr jungen Startups mit noch nicht vollends validierten Produktideen sprechen, ist das Risiko für die Investoren, ob BA oder VC, noch sehr hoch und die Konditionen für das Startup schlecht: verhältnismäßig wenig Geld für relativ viele Anteile am Unternehmen. In späteren Runden, wenn das Produkt reift, das Team erfahrener wird und der Investor sorgfältig geprüft hat, wie die Chancen stehen, gibt es zunehmend mehr Geld für weniger Prozente am Unternehmen. Hier mischen meist nur noch VCs mit, für die BAs wird es uninteressant, weil sehr teuer. Doch genau diese Prüfung und der Weg in die späteren Finanzierungsphasen haben es in sich.

Die Due Diligence Prüfung

Vielen Gründern wischt die bloße Erwähnung dieses Begriffs schon das unternehmerische Grinsen aus dem Gesicht. Die Due Diligence Prüfung (engl. due diligence: gebotene Sorgfalt) gilt in Gründerkreisen als der große Schrecken auf dem Weg in die Selbständigkeit. Hier prüfen die Investoren alle wichtigen Bereiche eines Startups auf Fehler, Ungereimtheiten und Risiken. Das Team, das Produkt, die Finanzen und sogar die persönlichen und geschäftlichen Kontakte werden unter die Lupe genommen. Keine Leiche bleibt im Keller.

Die Due Diligence (DD) kann in jeder FInanzierungsphase durchgeführt werden, fällt jedoch typischerweise in der Pre-Seed und Seed Phase weniger ausführlich aus, als in späteren Finanzierungsrunden. Klar, wenn ganz am Anfang noch kein fertiges Produkt steht, weniger Dokumente, Lizenzen und Personen involviert sind, gibt es weniger Fehlerquellen und Risiken. Hier werden meist nur die Produktidee (welche sich in der Phase aber auch noch ändern kann) und das Gründerteam selber geprüft.

Je später die Phase und je Höher das Investment, desto intensiver fällt die Prüfung aus. Eine DD umfasst typischerweise (aber je nach Branche und Modell variierend) mindestens die folgenden Bereiche:

Finanzielle DD, Technische DD, Rechtliche DD, Produkt DD, Gründer DD, (...)

Entsprechend werden hier Buchhaltung, Finanzplan und Konten inkl. evtl. Gläubigern geprüft (Finanzielle DD), die eingesetzten Technologien und der Code eures Produkts inkl. Code-Qualität und Lizenzen (Technische DD), alle bestehenden Verträge von Arbeitsverträgen über Gründungsdokumente, Patente und Versicherungen (Rechtliche DD), die Funktionalität des Produkts bzw. des Geschäftsmodells (Produkt DD) sowie die Konstellation des Teams und deren Zusammenarbeit, wie auch bestehende und ehemalige Geschäftspartner. Selbst schwelende Streitigkeiten und schlechtes Unternehmensklima spielen hier eine Rolle. Dazu werden auch s.g. Reference Calls durchgeführt, bei denen Stakeholder und relevante Kontakte angerufen und zum Team und dem Produkt befragt werden. Viele VCs haben hier, abhängig von ihrer Größe, eigene Teams oder externe Gutachter für jeden der Bereiche.

Wer dem Investor Fehler oder Versäumnisse verschweigt – oder schlicht lügt – steht meist schneller alleine da, als er gucken kann. Verständlicherweise, denn eine solch enge und langfristige Geschäftsbeziehung verdient und verlangt gegenseitigen Respekt, Vertrauen und Ehrlichkeit. Von beiden Parteien darf daher absolute Offenheit und eine klare Kommunikation erwartet werden. Als Gründer kann und sollte man eine eingehende Prüfung nicht nur über sich ergehen lassen, sondern selber Nachforschungen über seine potenziellen Investoren anstellen.

Ein Traum von Investor…

Einige Voraussetzungen sollten eure Partner nämlich mitbringen, erwerben sie ja mit den Anteilen auch meist das Recht in vielen Prozessen mitzubestimmen. Wie wählt man also den passenden Geschäftspartner aus? Zeichnen wir einmal ein Bild der perfekten Investoren:

Sie sind erfahren in der Branche und speziell auch in dem Markt, in dem ihr plant, aktiv zu werden. Sie haben einen starken Fonds im Rücken und ein Portfolio von wenigen ausgesuchten Startups, um sich intensiv den Herausforderungen dieser wenigen Unternehmen zu widmen, sich jedoch nicht nur auf ein einzelnes Unternehmen konzentrieren und dieses mit übertriebenem Engagement (oder gar Kontrollwahn) erdrücken. Durch diesen Ansatz haben sie in der Vergangenheit erfolgreich in verschiedene Gründungen investiert und eine Vielzahl verschiedener Geschäftsmodelle kennengelernt und mit geformt. Sie sind erfahren und souverän und haben ein Team, das für alle relevanten Bereiche eurer Aktivitäten Kompetenzen an Bord hat. Am wichtigsten jedoch: Sie haben Spaß an euren Themen und sind leidenschaftlich bei Sache.

Eure Investoren sollten euch durch ihr Netzwerk unterstützen können und mit ihren Kontakten bestimmte Türen für euch öffnen können. Wenn sie an euch glauben, tun sie das auch, denn euer Erfolg ist auch ihr Erfolg. Somit müssen sie voll hinter euch stehen, euch und eure Idee bis ins Detail kennen und in der Lage sein, sie zu verteidigen. Erfahrene Investoren sind außerdem in der Lage Rückschläge und unvorhergesehene Entwicklungen zu akzeptieren und die nötige Ruhe zu behalten. Natürlich braucht ihr keine weitere Mutti, die auf euch aufpasst und zusieht, dass euch nichts böses widerfährt. Eure Investoren dürfen euch nicht ständig in den Ohren hängen. Ihre Aufgabe ist es, euch immer dann beratend zur Seite zu stehen, wenn es notwendig ist – aber nicht indem sie das Ruder übernehmen. Dazu ist Vertrauen notwendig und zwar beidseitig. Die persönliche Ebene spielt immer auch eine große Rolle.

Das alles werden sie tun, wenn die Chemie stimmt, die Visionen ähnlich sind und ihr einfach ‘passt’.

Vielleicht findet nicht jedes Startup auf Anhieb den perfekten Investor. Häufig ist man froh, wenn überhaupt jemand bereit ist, Kapital zur Verfügung zu stellen. Es braucht auch nicht immer den beschriebenen perfekten Investor, um erfolgreich zu sein. Einige der obigen Punkte dürfen aber gerne erfüllt werden, damit das Abenteuer Unternehmensgründung nicht böse endet oder schlicht eine Qual wird. Baut etwas auf, das ihr liebt, mit jemandem, der es auch tut.