Michael Schweisthal 05.04.2018 16:00

Das Konzept "Arbeit" im Wandel

In der Finanzbranche waren die vergangenen Jahre zweifellos eine aufregende Zeit. Die Digitalisierung verändert aber nicht nur Geschäftsmodelle und stellt Finanzdienstleister vor marktstrategische Herausforderungen, sie verändert mit ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen auch die Art und Weise, wie wir arbeiten (sollten) – und zwar in allen Branchen.

Digitalisierung bedeutet eine Veränderung unserer gesamten Lebenswelt. Neue Technologien bringen ungeahnte Möglichkeiten, neue Wege zu kommunizieren und uns zu verwirklichen aber auch kulturelle und soziale Veränderung. All diese Aspekte schlagen sich schlussendlich in unserem Arbeitsleben nieder: Viele Jobs werden gänzlich überflüssig, an anderer Stelle werden neue Stellen geschaffen und wieder andere Berufe bleiben zwar, verändern sich aber enorm.

Unternehmen konzentrieren sich dabei oft nicht genug auf die digitale Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und deren Bewusstsein über die Herausforderungen der veränderten Arbeitswelt. Aber auch die Unternehmensführung und damit die Strukturierung der verfügbaren menschlichen Ressourcen muss sich anpassen. Dazu fordert eine neue Generation junger Menschen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, ganz andere Arbeitsmodelle.

Man ist sich mittlerweile branchenübergreifend darüber bewusst, dass die fortschreitende Technisierung die Art und Weise beeinflusst, wie Unternehmen mit ihren Kunden interagieren und was sie ihnen anbieten müssen. Weniger Beachtung findet dagegen der Fakt, dass das Konstrukt “Arbeit” sich ebenfalls verändert. Nach außen versuchen die meisten Digitalisierung zu leben, intern dümpeln sie in alten Mustern vor sich hin. Was muss sich ändern?  

Arbeit neu: verteilt

Im New Work Begriff fest verankert ist die Dezentralität des Büroalltags. Weltweit verteilte Teams sind kein Problem: Mail, Videochat und Dokumente in der Cloud ermöglichen bequeme und vor allem sichere Kollaboration immer und überall, unabhängig davon ob man im Büro, im Cafe oder am Strand sitzt. Wo Internet ist, kann auch Arbeit sein. Das erlaubt große Flexibilität bei der Wahl der besten und passendsten Mitarbeiter, egal wo sie sind.

Woran es noch häufiger fehlt sind diese moderne Strukturen in großen Unternehmen. Oft verhindert eine zu autoritäre Organisation, in der Befehle nur von oben nach unten und Reporting von unten nach oben laufen, durch die Übernahme von echter Verantwortung schöpferische Potenziale der Mitarbeiter freizusetzen. In diesem engen Rahmen passiert dann Dienst nach Vorschrift – mehr ist ja auch nicht erwünscht oder wird zugetraut. In einer Gesellschaft, in der Selbstverwirklichung für die meisten Menschen eine der wichtigsten Maximen geworden ist, kann dies nicht befriedigend sein.

Ermutigt man Mitarbeiter stattdessen durch die Übernahme von Verantwortung und die Erwartung, dass sie sich mit in das strategische Geschehen einzuschalten, bringt das viele Vorteile mit sich. Mitarbeiter verfolgen aktiver die gemeinsam gesteckten Routen, können sich schneller untereinander abstimmen und Änderungen vornehmen, wenn sie nötig sind. Für Führungskräfte bedeutet das nicht etwa weniger Arbeit, denn es erfordert bewusste Steuerung, Einfühlungsvermögen und ständiges involviert sein. Und eine Menge Vertrauen in die Mitarbeiter.

Diese wiederum benötigen neue Skills, viel Motivation und Kreativität. Es ist ja nicht so, dass das Arbeiten von überall und mehr Verantwortung den Job leichter machen. Im Gegenteil: Es kann viel Stress und Druck bedeuten, in agilen und wenig hierarchischen Umgebungen zu arbeiten. Die Ergebnisse der Arbeit und damit das persönliche Empfinden zu deren Wert profitieren dadurch aber. Und die Zufriedenheit, das Selbstwertgefühl und die positive Haltung dem Arbeitgeber gegenüber werden ebenfalls untermauert. Stichwort Mitarbeiterbindung. Das beste Employer Branding sind ausgelastete aber nicht überlastete Mitarbeiter, die ihre Tätigkeit sowohl als wichtig, als auch befriedigend wahrnehmen.

Alles neu – aber nicht alles für jeden

Ganz wichtig bei all der Kritik an der "alten" Arbeit: Natürlich können Unternehmen, deren Strukturen und Modelle der Mitarbeiterführung sich seit Jahrzehnten entwickelt und – noch wichtiger – auch als sehr erfolgreich herausgestellt haben nicht “mal eben so” auf den Kopf gestellt werden. Denn viele Modelle funktionieren eben nicht für alle Unternehmen. Hier sollte man vorsichtig abwägen, aber dennoch vieles testen und immer auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter bewusst abklopfen. Die Zukunft kommt oft schneller an, als vielen lieb ist und ganz unvorbereitet sollte man die große Welle einer neuen, anspruchsvolleren Generation an Arbeitskräften nicht auf sich zu rollen lassen.

Kommende Woche stellen wir Ihnen einige interessante Unternehmen vor, die neue Arbeitsmodelle ausprobieren und diskutieren über die effektivsten Stellschrauben, um New Work umzusetzen – ohne dabei durch wildes Innovieren um des Innovierens Willen mehr Schaden als Nutzen anzurichten.

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