Michael Schweisthal 02.11.2018 14:00

Stablecoins: Wertstabile Kryptowärhungen, geht das?

Nie wieder Bitcoin Pizza Day und zukünftig Krypto-Einlagen ruhigen Gewissens in der Blockchain lassen, statt sie wieder in harte Währung zu tauschen – das wäre schön, nicht wahr? Stablecoins versprechen genau das zu können und damit Vermittler zwischen der Welt realer Werte und der digitaler Assets zu sein.

So schnell wie Kryptowährungen 2017 im Wert stiegen und einen riesigen Hype auslösten, so schnell kam die Ernüchterung, als im Januar 2018 die Kurse einbrachen und der Bitcoin von 16,000€ auf zunächst 6,000€ abstürzte – etwas mehr als sein aktueller Wert. Die Volatilität, also das Ausmaß ihrer Schwankungen, macht die meisten Kryptowährungen für Spekulanten attraktiv, verhindert jedoch auch ihren alltagstauglichen Einsatz. Oder sind Sie scharf darauf, in wenigen Jahren berühmt dafür zu sein ein kaum vorstellbares Vermögen für eine Pizza ausgegeben zu haben? Vermutlich nicht, deshalb wird sofort verkauft oder ewig "gehodlt".

Stablecoins könnten diese und andere Probleme konventioneller Kryptowährungen lösen, denn ihr Wert ist fest verbunden mit real existenten Vermögenswerten. Das können Fiat-Währungen wie der Euro oder der US-Dollar sein, aber auch Öl, Gold oder sogar der Wert anderer Kryptowährungen. Wieder andere Stablecoins können durch ihren Algorithmus Schwankungen vermeiden, indem ihre Verfügbarkeit, je nachdem ob die Preise fallen oder steigen, automatisch erhöht oder eingeschränkt wird.

Eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind Kryptowährungen, die einen relativ stabilen Wert besitzen und damit als Link zwischen der Welt der realen Vermögenswerte und der Krypto-Welt fungieren können.

Nie wieder Bitcoin Pizza Day

Wie im Bitcoin Pizza-Beispiel werden viele der großartigen Anwendungszwecke von blockchain-basierten Geschäftsmodellen von den starken Wertschwankungen sabotiert. Denn Spekulanten (hier spreche ich absichtlich nicht von Nutzern) ziehen ihre Gewinne regelmäßig aus der Blockchain ab, indem sie sie in Fiat-Währung tauschen. Damit stehen sie ihnen als stabile Werte zur Verfügung und unterliegen nicht den Schwankungen, die über Nacht Vermögen ausradieren können. So sind die Krypto-Märkte zu reinen Spekulationsbörsen verkommen, statt dass die jeweiligen Blockchains für ihre zahlreichen Funktionen genutzt zu werden.

Und um ihre Krypto-Werte überhaupt abzuziehen, müssen Investoren oft erst umständlich von einer in eine andere Kryptowährung tauschen, für die überhaupt der direkte Tausch in Fiat-Währung auf der jeweiligen Plattform angeboten wird. Stablecoins können hier helfen, indem sie es Investoren erlauben, ihre Werte einfach in Stablecoins zu tauschen und somit sicher in einer Blockchain “parken”, bis sie wieder bereit sind, etwas zu investieren oder für andere Zwecke, etwa die Zahlung ihres Online-Einkaufs, auszugeben. Der Transfer zwischen verschiedenen Plattformen oder auf derselben Plattform kann ungleich schneller passieren, also der Krypto-Fiat-Wechsel, bei dem die Wertschwankungen im Transferzeitraum kaum abzusehen sind.

Die Einfachheit und der weltweite Zugang zu Kryptomarktplätzen erlaubt auch Menschen in ökonomisch oder politisch unsteten Regionen, etwa an den Euro oder den US-Dollar gekoppelte Kryptowährungen zu halten, ohne dass sie wirkliche Euros oder Dollars kaufen müssen – was oftmals schlicht unmöglich ist.

Somit beginnen Stablecoins gerade ihren Weg in den Mainstream und werden mit Sicherheit in den kommenden Jahren häufiger genutzt werden. Nicht zuletzt lassen sich auch eher konservativ handelnde Menschen und Unternehmen zur Nutzung von Kryptowährungen überreden, wenn sich ihnen ein sanfter, weniger riskanter Einstieg in die Krypto-Welt bietet.

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