Michael Schweisthal 13.12.2018 09:40

Banken, Fintechs, Services: Trends und Themen 2019

Banking Themen und Trends 2019

Mit 2018 geht ein aufregendes Jahr zu Ende. In der Finanzbranche hat sich in diesem Jahr vieles getan. Das war für Verbraucher spürbar, wurden Neuerungen 2018 doch offensiver beworben als noch 2017. Zudem waren Anzahl und Volumina der Finanzierungen im Fintech-Bereich weltweit wieder höher als im Vorjahr. Wir sind im noch aktuellen Jahr auch mit Inkrafttreten der PSD2 und der Festigung vieler FinTechs am Markt einen großen Schritt in Richtung Zukunft gegangen. Kooperationen zwischen Banken und Fintechs bestimmten immer mehr das Bild der Branche, deren Wandel greifbar geworden ist. Knüpft 2019 an das Superjahr 2018 an? Ein Ausblick auf die Themen, die das Banking im kommenden Jahr gestalten werden.

Reibungslose, hoch personalisierte Prozesse und Datenanalyse werden nicht mehr nur “nice to have” sein. Sie stellen 2019 endgültig die Weichen in Richtung Erfolg.

Je öfter Verbraucher perfekt maßgeschneiderte, kulante und bequeme Online Services in Anspruch nehmen, desto mehr vertrauen sie dem Anbieter.” Und: “Kunden, die sich in vielen Bereichen an ein gutes Nutzererlebnis gewöhnt haben, machen es zu ihrer Top Priorität.

Dies sind Zitate aus einem früheren Artikel, in dem wir Ihnen Amazon als König des Nutzererlebnisses vorgestellt haben. Sie beschreiben die Trends der kommenden Jahre treffend. Banking wird immer persönlicher werden müssen, denn Bankkunden werden in anderen Segmenten verwöhnt.

Amazon und Netflix machen es vor und viele Digitalunternehmen haben es bereits verstanden: Kundenbindung und Profitabilität sind – auch in der Finanzbranche – nur über zeitgemäße Kundenansprache erreichbar. Und die ist heute eben hoch personalisiert. Aufgrund gut ausgewerteter Kundendaten mit individuell passenden Aktionen im richtigen Moment und über die richtigen Kanäle an die Kunden heranzutreten ist der Skill der Zukunft für wirklich jede Industrie. Auch eine Bank sollte als digitaler Assistent auftreten, der Bedürfnisse erkennt und ungefragt die richtige Lösung anbietet.

Amazon erinnert sich jedes Jahr im Oktober daran, dass ich in zur gleichen Zeit in den Vorjahren nach Pullovern gesucht habe und bietet mir beim Besuch der Startseite bereits welche an. Hatte ich aktuell keine Kaufabsicht, schaue ich mit hoher Wahrscheinlichkeit dennoch, stöbere, greife womöglich zu. Die Bank kann das so oder so ähnlich auch und sollte auch derart agieren. Das Potenzial personalisierter Services haben schon viele erkannt und steigern so ihre Erträge spielerisch durch Up- und Cross-Selling. Gesellen sich dazu vollkommen reibungslose digitale Prozesse beim Onboarding, stärkt das die Beziehung zum Kunden von Anfang an und schafft, wie oben angedeutet, Vertrauen.

Wer hier 2019 den Anschluss nicht schafft, läuft Gefahr übersehen zu werden – oder verlassen.

Open Banking führt zu diverseren und ausgeklügelten Finanzprodukten – gleichzeitig beobachten wir eine Konsolidierung des Marktes.

Die Open Banking Richtlinie PSD2 zwingt Banken dazu, bestimmte Daten ihrer Kunden mit Drittanbietern zu teilen und soll damit ein offenes, transparentes und für den Kunden optimiertes Finanz-Ökosystem schaffen. Seit die PSD2 Anfang 2018 in Kraft getreten ist, hat sich hier zwar einiges getan, dennoch läuft die Entwicklung einer wirklich offenen Bankingwelt eher schleppend an. Wie zu erwarten war, werden wohl erst 2019 deutlichere Auswirkungen spürbar werden.

Banken sind aktiv auf der Suche nach API-Partnern, die gemeinsam mit ihnen ihre Angebote erweitern, die Potenziale ihrer Daten bestmöglich nutzen und damit den Kunden Mehrwerte bieten. Während 2018 bereits zahlreiche Partnerschaften zwischen Banken und Drittanbietern zu beobachten waren, werden 2019 durch diese Kooperationen wohl deutlich mehr Produkte und -prototypen auf den Markt kommen.

Gleichzeitig sind die meisten Fintechs am Markt noch so “klein”, dass sie von Banken aufgekauft werden können. Wir werden wohl eine Vielzahl von Fintechs sowohl von Banken als auch Playern aus der Tech-Industrie, die ihren Zugang zum Markt beschleunigen wollen, bevor es dazu zu spät ist. Eine Bank kann hier auch zweigleisig fahren und mit Drittunternehmen gemeinsam an ihren Schnittstellen und Services feilen während gleichzeitig Zukäufe von oder Investments in innovative Unternehmen getätigt werden.

Man darf sich vom kommenden Jahr also zumindest einen deutlichen Ausblick auf das Banking der Zukunft erhoffen – mit etwas Glück sogar schon eine spürbare Veränderung des Marktes.

Werbung, Marketing, die gesamte Kommunikation werden moderner, prägnanter, unangepasster. Das Thema Brand, besonders der Mut, die eigene Marke neu zu interpretieren, wird eine zentrale Rolle spielen.

2019 heißt es schnell sein, mutig sein und neue Trends aktiv erkunden – wenn nötig mit Hilfe strategischer Partnerschaften. Dabei spielt nicht vorrangig eine Rolle, ob Botschaften zu neuen oder existierenden Produkten etwa über Video oder Blog verbreitet werden, im Gros funktionieren verschiedene aktuelle Formate auch im nächsten Jahr.

Für Banken werden aber vor allem alternative Werbe- und Kommunikationskanäle wichtig zu erschließen sein. Die Rolle von Social Media und gutem Content, von speziellem Targeting verschiedener Zielgruppen auf deren bevorzugten Kanälen wird weiter wichtiger. Menschen vertrauen eher ihren Peers und (entschuldigen Sie das Wort) Influencern, sie verinnerlichen emotionale, persönliche Botschaften, die sich durch die Informationsflut durchsetzt, denen sie ausgesetzt sind.

Nicht nur Banken müssen daher dort präsent sein, wo ihre potenziellen und bestehenden Kunden miteinanders kommunizieren. Facebook ist dabei zur Plattform für die Generation 40+ geworden, wer noch nicht auf den Instagram-Zug aufgesprungen ist, sollte das schleunigst tun und dabei immer die Veränderungen der Algorithmen der Plattformen verfolgen. Dabei entwickelt sich Social Media immer deutlicher und von den Nutzern gewollt in Brand-Plattformen. 80% der Instagram Nutzer folgen Unternehmen, immer mehr kaufen direkt aus den Social Media Apps deren Produkte.

Die Aufmerksamkeitsspannen der Nutzer sind dabei jedoch kurz, umso prägnanter, ungewöhnlicher und relevanter müssen die Botschaften sein. Und jeder Schritt automatisiert und auswertbar sein. Wer im Marketing nicht von allererster Sekunde Nutzerverhalten trackt und optimiert, verschenkt Zeit und Geld. Dabei helfen auch immer mehr CMS-Systeme, die KI nutzen.

Größter “Gamestopper” dabei für Banken: Die Angst, die eigene Marke zu verwässern und ihre Glaubwürdigkeit bei konservativeren Kundengruppen zu verspielen. Hier ist ein Balanceakt notwendig. Den hinzubekommen wird für Marketer in der Finanzbranche eine Herausforderung, die Kraft erfordert – schließlich werden hier viele protestieren.

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