Scarlett Wolter 25.07.2017 10:00

Gründen neben dem Vollzeitjob - ein Interview mit Foodsharity

Ein Unternehmen gründen neben dem Vollzeitjob - ein Schritt, den nicht viele wagen. Laut KfW-Gründungsmonitor geht die Zahl der Unternehmensgründungen seit einigen Jahren immer weiter zurück. Dennoch gibt es weiterhin Menschen, die ihre Ideen verfolgen und den Spagat zwischen Job und Startup meistern. So auch Corinna Slawitschka: Sie ist Projektmanagerin in der Postbank und hat zu Beginn des Jahres mit zwei Freunden ein Unternehmen gegründet, das sich für die Rettung von Lebensmitteln einsetzt. Dabei handelt es sich um eine App, die es dem User ermöglicht, übrig gebliebene Lebensmittel oder Mahlzeiten zu verschenken oder zu verkaufen. Über das Postbank Ideenlabor hatte das Startup die Möglichkeit, seinen Prototypen mit über 6.500 Testusern zu verproben. Über den Mehrwert dieses Angebots sowie die Erfahrungen als Gründerin bei einem Konzern möchten wir uns heute näher mit Frau Slawitschka austauschen.

Was hat Sie persönlich dazu motiviert ein Startup zu gründen?

"Ende 2014 habe ich gemeinsam mit meiner besten Freundin die Online-Community Rethinker aufgebaut. Darüber stellen wir unseren Lesern regelmäßig die neuesten Gesundheitstrends am Markt vor. Im Rahmen dieses Projekts haben wir die deutsche Startup-Szene intensiv gescannt und waren begeistert, wie viele tolle und vor allem nachhaltige Ideen es gibt. Das hat uns inspiriert, ein Thema anzugehen, was uns schon lange beschäftigt – die Ressourcenverschwendung. Das war die Geburtsstunde von Foodsharity."

Welche Erkenntnisse können Sie aus Ihrer Gründertätigkeit in den Berufsalltag übertragen?

"Für mich persönlich ist es eine große Bereicherung, Erfahrungen als Gründerin machen zu dürfen. Und das, obwohl wir bei weitem nicht nur positive Erlebnisse gemacht haben. Wer gründen möchte, muss viele Hürden überwinden und in der Lage sein auch lange Durststrecken durchzuhalten. Der Kampf um die Seedfinanzierung, die Auseinandersetzung mit den Kritiken der User und Freunden sowie zahlreiche rechtliche Hürden stehen auf dem Tagesprogramm. Ein gutes Selbstmanagement, Disziplin und eine gehörige Portion Leidenschaft für die eigene Idee sind hier unerlässlich. Diese Eigenschaften sind natürlich auch immer wieder im Arbeitsalltag gefragt. Zudem lernt man sich selbst ein Stück weit neu kennen, kommt in Situationen, die einen komplett aus der Komfortzone locken. So stehen wir immer wieder auf der Bühne, um Investoren für unser Vorhaben zu begeistern. Dabei haben wir vor kurzem vor über 1.200 Besucher gepitcht (Hier finden Sie das Interview der beiden Gründerinnen). Das war bislang das beste Kommunikationstraining meiner beruflichen Laufbahn."

Wie organisieren Sie Ihren Alltag und welche Tipps würden Sie anderen berufsbegleitenden Gründern mit auf den Weg geben?

"Im Gegensatz zu vielen Startups, die ich kenne, habe ich nebenberuflich gegründet. Das hat den großen Vorteil, dass ich nicht mit Existenzängsten zu kämpfen habe. Als Projektmanagerin bin ich daran gewöhnt zielorientiert und fokussiert zu arbeiten. Entscheidungsfreude ist genauso wichtig, wie die Bereitschaft, sich vernetzen zu wollen. Hierfür gibt es inzwischen auch in Bonn zahlreiche Möglichkeiten. Unser Startup durfte den internen Accelerator der Deutschen Telekom AG durchlaufen. Solche Programme kann ich nur jedem Gründer nahe legen. Wir haben in dieser Zeit unglaublich viel gelernt. Aber es gibt natürlich nicht nur eine Seite der Medaille und so bleibt nicht mehr viel Zeit für Familie, Freunde und Hobbies. Ob man damit leben kann, sollte man sich im Vorfeld gut überlegen."

Wie hat die Postbank Sie als Gründerin unterstützt?

"Wer nebenberuflich gründen will, muss auch interne Richtlinien beachten. So habe ich einen Antrag auf Nebentätigkeit gestellt, der von meiner Führungskraft und HR genehmigt wurde. Ohne eine entsprechende Vertrauenskultur und flexible Arbeitszeiten ist eine nebenberufliche Gründung kaum umsetzbar. Dadurch wird es mir erst ermöglicht an wichtigen Events teilzunehmen. Hierfür bin ich sehr dankbar. Des Weiteren hatte unser Startup die Möglichkeit den Prototypen hier im Postbank Ideenlabor zu verproben. Das ist eine geniale Chance, die ich jedem Gründer ans Herzen legen kann. Wir haben wertvolles Feedback zu diversen Funktionalitäten unserer App erhalten, welches unser Entwickler jetzt umsetzen kann."

Wie funktioniert eine Zusammenarbeit mit dem Postbank Ideenlabor?

"Da wir alle im gleichen Gebäude sitzen, verlief die Kommunikation absolut problemlos. Nachdem ich Vanessa Dahm (Plattform-Verantwortliche) unser Projekt vorgestellt hatte, ging alles sehr schnell. Das Ideenlabor-Team unterstütze mich bei der Erstellung der Umfrage. Alle meine Anliegen wurden super schnell beantwortet, dabei erhielt ich viele wertvolle Tipps. Nach kleineren Anpassungen auf der Testumgebung war es dann endlich soweit und wir gingen live. Einmal wöchentlich bekamen wir Feedback zu der Teilnehmeranzahl. Nachdem die Umfrage abgeschlossen war, erhielten wir eine ausführliche Präsentation inklusive grafischer Darstellung der Antworten sowie eine detaillierte Aufführung der Freitextangaben."

In welchen Belangen hat die Teilnahme im Postbank Ideenlabor Ihnen geholfen? 

"Für uns war es am wichtigsten direktes Feedback unserer zukünftigen User zu bekommen, da wir aktuell noch in der Entwicklungsphase sind. Wir möchten frühzeitig eventuelle Bedenken verstehen und die App so umsetzen, dass unsere User sich sicher fühlen. Uns hat die Möglichkeit der Teilnahme extrem motiviert und stolz gemacht. Um Investoren zu gewinnen, ist es in der Regel notwendig einen „Proof of Concept“ zu liefern. Die Verprobung im Postbank Ideenlabor ist hier eine tolle Gelegenheit, um zu zeigen, dass die Geschäftsidee in der Praxis umsetzbar ist und sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit als wirtschaftlich erfolgreich erweist."

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