28.06.2019 11:00

Fintech im Alter: Können Banken Zugang schaffen?

Im Banking geht es heute scheinbar nur um Softwarelösungen für Millennials, die Generation Z und Digital Natives. Man könnte fast glauben, dass Banken und Finanzdienstleister die Präsenz aller Menschen jenseits der 40 vergessen haben – zumindest die Marketingabteilungen. Die Ansprüche dieser Kundengruppe sind tendenziell geringer, die Akzeptanz für anstrengende, langwierige Prozesse ausgeprägter, als der bei der Generation “Bedürfnisbefriedigung sofort”. Die Skepsis gegenüber Fintechs aber größer – hier könnten Banken beide Parteien zusammenbringen.

Eine US-Studie fand heraus, dass 90% der wohlhabenden Personen über 65 das Internet nutzen, wohingegen nur 39% der älteren Personen mit niedrigem Einkommen internetaffin sind. Betrachtet man diese Kundengruppe aus Sicht einer Bank, wird klar, dass gerade die Gruppe einkommensstarker Personen fortgeschrittenen Alters digitale Bankingprodukte nutzen würde. Beim weniger durch Fintechs angesprochenen Segment sprechen wir aber noch nicht einmal ausschließlich von “alten” Personen. Der klassische Kunde eines Fintechs ist eben meist irgendwo zwischen Anfang 20 und Mitte 30 Jahren alt und somit fallen hier bereits fast alle hinten über, die nicht bereits zu Schulzeiten ein Smartphone besessen haben. Kunden, die jenseits dieses Alters liegen, sind aber nicht unbedingt weniger offen gegenüber digitalen Lösungen – besonders solchen, mit denen sie etwa die Planung ihrer Vorsorge deutlich optimieren können. 

Die besondere Stärke der Finanztechnologie liegt aber prinzipiell darin, komplexe Prozesse einfach zugänglich zu machen, personalisierte und transparente Leistungen zu präsentieren und dadurch Personengruppen, denen der Zugang zu Finanzprodukten oft verwehrt blieb, zu inkludieren. Das ist perfekt zugeschnitten auf ältere Personen. Zudem räumten Fintechs wie Banken in den vergangenen Jahren immer erfolgreicher mit etwaigen Ressentiments gegenüber digitalen Lösungen auf. Verstärkte Bemühungen mit dem Ziel, Vertrauen für Digitales bei eher skeptischen Kunden fortgeschrittenen Alters zu schaffen, dürften sich daher durchaus lohnen.

Die Generation 60+ ist skeptisch, doch Banken können Vertrauen vermitteln

Viele ältere Menschen haben alleine aufgrund ihrer körperlichen Verfassung Schwierigkeiten, ihre Finanzen im Griff zu behalten. Für Überweisungen, die Änderung von Daueraufträgen oder wenn mal der Dispo-Kredit aufgestockt werden soll, in die Filiale zu gelangen, kann eine Herausforderung sein. Dem Enkel Geld für das Semesterticket überweisen? Der Tochter im Ausland mit einer Auslandsüberweisung über ihren finanziellen Engpass verhelfen? Das kann für körperlich eingeschränkte Personen einen enormen logistischen Aufwand bedeuten. 

Für Banken aber beinhaltet es die Möglichkeit, ihre meist langjährige Beziehung und das dadurch gewonnene Vertrauen älterer Kunden dafür zu nutzen, bei ihnen die Akzeptanz für digitale Finanzprodukte zu steigern – und ihnen dadurch viele Dinge im Leben zu erleichtern.

Dass eine Rentnerin eine Finanz-App ihrer Bank auf ihrem Smartphone installiert und sich dort einloggt, ist nicht gerade utopisch. Dass dieselbe Dame vorbehaltlos eine App eines kaum renommierten Fintechs installiert und nutzt, ist hingegen schon unwahrscheinlicher.

Fintechs können dieses für sie sehr schwierige Segment durch Kooperationen mit Banken deutlich leichter erschließen, Banken ein oft vernachlässigtes Kundensegment abdecken. Wie sagt man so schön: Win-win!