20.08.2019 10:00

Mergers & Acquisitions – Fressen oder gefressen werden?

Fintechs sind zunehmend offen für Kooperationen mit Banken. Und auch die Banken begrüßen die Zusammenarbeit, führten sie doch 2018 mit 562 Kooperationen vor allen anderen Sektoren den Fintech-Kooperationsradar von PwC an. Gleichzeitig reduzierte sich die Summe der Investments in deutsche Fintechs 2018 um rund 600 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Ebenso sank die Zahl der M&As, also Käufe und Fusionen von Unternehmen, im Vergleich zu den Vorjahren erstmals wieder. Europaweit ist der Trend aber klar: Investieren, mitprofitieren und kaufen, um sich für die Zukunft zu wappnen und gegen die Konkurrenz zu verteidigen. Wir beobachten ein wahres Wettrüsten mit Hilfe von Fintechs.

57 Deals im Fintech Sektor gab es laut KPMG 2018 in Deutschland. Dem gegenüber stehen über 80 in 2017. Gleichzeitig gelang es Fintechs allerdings, deutlich höhere Summen in späteren Finanzierungsrunden einzusammeln. Eine Umfrage von ReedSmith und Mergermarket deutet zudem an, dass die M&A Aktivitäten von Banken alles andere als im endgültigen Abschwung sind: 94% der befragten Banken und Finanzinstitute gaben demnach an, in den kommenden 12 Monaten zwei oder mehr Fintechs kaufen zu wollen. Das spricht eine klare Sprache.

Was auffällt: Dieses Verhalten, das beabsichtigte “schlucken” von innovativen Fintechs, spiegelt in gewisser Weise die seit Jahren bewährte Praxis von Internetriesen und Technikgiganten wie Google oder Cisco wider, die gut mit dieser Taktik gefahren sind. Natürlich birgt das Gefahren, denn gerade sehr junge Geschäftsmodelle könnten noch scheitern, doch ähnlich wie im Portfolio von Venture Capital Fonds gilt: Wenn von zehn Akquisitionen fünf nicht überleben, können nur ein oder zwei überdurchschnittlich erfolgreiche die Bilanz mehr als ausgleichen und unschätzbare Marktvorteile bieten.

Doch eine Bank profitiert noch in vielerlei anderer Hinsicht vom Kauf von Fintechs: Als Teil des Konzerns, ob voll oder nur teilweise integriert, bringt ein junges Unternehmen neues Wissen, frische Talente und ein anderes Mindset mit ein. Und wenn der überspringende Funke nur bedeutet, dass Entscheider in Banken plötzlich gezwungen sind, sich mit dem Erfolg der Fintechs auseinanderzusetzen und deren Fähigkeiten anzuerkennen, dann hat dies immer noch einen positiven Effekt. Doch wie überzeugt man dynamische Teams, die mit großer Leidenschaft innovative Lösungen entwickeln und darin bisher größtenteils autark agieren konnten, sich einer Bank anzuschließen und viel Kontrolle über ihre Produktentwicklung abzugeben?

Übernahme oder doch lieber eine Kooperation? 

Gerade die großen, als behäbig geltenden Banken sind in der vorteilhaften Position, dass sie für Fintechs tolle Rahmenbedingungen bieten können, die für sie als kleine Unternehmen unmöglich zu erreichen sind. Natürlich würde kaum ein Gründerteam sein Unternehmen an ein Finanzinstitut verkaufen, das keine gründliche Vision oder eine klare Strategie für sich selber und das zu kaufende Unternehmen bereitstellt. Banken müssen dazu entscheiden, in welche Richtung und auf welche Art und Weise sie sich entwickeln wollen und die dazu passenden Unternehmen ansprechen. Beide Parteien müssen wirklich zusammenpassen und am selben Strang ziehen wollen.

Dennoch soll hier nicht behauptet werden, dass große Beteiligungen und Übernahmen immer der Weg der Wahl sind. Von Fall zu Fall sollten Banken wie auch Fintechs prüfen von welchem Weg sie jeweils am meisten profitieren können. Rein operative Kooperationen ohne Übernahme oder Kauf großer Anteile haben in der Vergangenheit ebenso herausragende Effekte für Banken und Fintechs gehabt.

Wann ist also der Zeitpunkt für Banken gekommen, sich für einen Kauf zu entscheiden? Eine große Rolle spielt die Reife des jeweiligen Marktes und des Unternehmens bzw. Produktes. Der Bereich Payment, ein mittlerweile relativ reifer und stabiler Markt, erlaubt es einer Bank mit recht großer Sicherheit vorherzusagen, wie sie vom Kauf und damit der ultimativen Kontrolle über die weitere Entwicklung der Lösungen profitieren kann. In weniger ausgereiften Bereichen – etwa beim Thema Blockchain – setzen Banken daher wohl vorerst noch auf defensivere Taktiken.